Wohin bringt ihr uns? "Euthanasie"-Verbrechen im Nationalsozialismus

Thematische Dauerausstellung zum systematischen Massenmord an Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen.

Bis 24. Januar kann die Ausstellung nur im Rahmen der öffentlichen Führungen am 18. November und am 2. Dezember 2025 oder bei gebuchten Führungen und Seminaren besichtigt werden.

Ausstellungstitel neben einer alten Fotografie. Abgebildet sind Menschen, die um einen Bus versammelt stehen.
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Wohin bringt ihr uns? "Euthanasie"-Verbrechen im Nationalsozialismus

Etwa 300.000 Menschen mit geistigen, psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen wurden von 1939 bis 1945 in Deutschland und in den besetzten Gebieten ermordet. Die Nationalsozialisten

trieben damit die seit Beginn des 20. Jahrhunderts geführte Diskussion um »unwertes Leben« zur Konsequenz des Massenmords, den sie mit dem Begriff „Euthanasie“ (deutsch: „schöner Tod“) verschleierten. Die Ausstellung zeigt auf, wie diese Verbrechen möglich wurden und gibt mit exemplarischen Biografien aus Erfurt und Thüringen den Opfern ein Gesicht und eine Stimme.

Dass die Vorstellung einer „Ungleichwertigkeit“ von Menschen schon lange Akzeptanz in der Gesellschaft gefunden hatte, begünstigte die Gleichgültigkeit oder Befürwortung weiter Teile der Bevölkerung gegenüber der Verfolgung betroffener Menschen, die dann im Nationalsozialismus einsetzte.

Die zentrale Phase der „Euthanasie“-Verbrechen, die nach der koordinierenden Behörde in der Berliner Tiergartenstraße als „Aktion T4“ bezeichnet wird, begann im Januar 1940 und endete

im August 1941. Über 70.000 Menschen, die in Heil- und Pflegeanstalten lebten und von ärztlichen Gutachtern für die Ermordung ausgewählt wurden, starben in den sechs von den Nationalsozialisten nach geografischen Gesichtspunkten ausgewählten Tötungszentren Bernburg (Saale), Brandenburg (Havel), Grafeneck, Hadamar, Hartheim und Pirna-Sonnenstein. Die Menschen wurden in Gaskammern ermordet, ihre Leichen wurden in Öfen der Kori GmbH und von J. A. Topf & Söhne verbrannt.

Heute erinnern Gedenkstätten an diesen historischen Orten in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Baden-Württemberg, Hessen, Österreich und Sachsen an die Opfer. Die Ausstellung wurde 2020 als eigene Sonderausstellung des Erinnerungsortes Topf & Söhne 80 Jahre nach Beginn der „Aktion T4“

gezeigt und stieß auf anhaltendes großes Interesse. Um auch in Thüringen, wo es keine Gedenkstätte zu den „Euthanasie“-Verbrechen gibt, ein dauerhaftes Angebot zur Auseinandersetzung mit dieser Thematik zu schaffen, wird die Sonderausstellung nun permanent im Erinnerungsort Topf & Söhne als kleine Dauerausstellung gezeigt und von einem Bildungsangebot begleitet. Durch die Zusammenarbeit mit „Barrierefrei erinnern – Das Zentrum für Thüringen“ können auch inklusive Führungen und Workshops in Leichter und einfacher Sprache angeboten werden.

Inklusive Audiospur „Hört, was uns bewegt!“

Foto: Die inklusive Audiospur wird aufgenommen. Foto: © Boris Hajduković

Seit 2022 führen sechs Menschen mit und ohne Behinderung durch die Ausstellung „Wohin bringt ihr uns? ‘Euthanasie’-Verbrechen im Nationalsozialismus“. Dafür setzten sie sich intensiv mit der Geschichte der „Euthanasie“-Verbrechen auseinander, lasen Bücher und besuchten den Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen »Euthanasie«-Morde in Berlin sowie die Gedenkstätte in der ehemaligen „Euthanasie“-Anstalt Pirna-Sonnenstein in der Nähe von Dresden. Gemeinsam haben sie auf dieser Basis eine inklusive Audiospur zur Ausstellung erarbeitet, die dort an fünf Stationen über QR-Codes abrufbar ist.

Foto: Die einzusprechenden Texte werden geprobt. Foto: © Boris Hajduković

Philipp Grenz, Birgit Martin, Nadine Schmohl und Hartmut Senf arbeiten im Saale-Betreuungswerk der Lebenshilfe Jena gGmbH, Claudia Müller und Anja Schneider sind Mitarbeiterinnen von „Barrierefrei erinnern – Das Zentrum für Thüringen“ der Lebenshilfe Thüringen. Weil Philipp Grenz und Hartmut Senf bei den Audioaufnahmen nicht dabei sein konnten, hat Matthias Felscher vom Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda e.V. ihre Texte eingesprochen.

„Hört, was uns bewegt!“ ist ein Raum für persönliche Zugänge und Reflexionen der Guides:

  • Was löst die Ausstellung in uns aus?
  • Welche Bilder und Biografien berühren uns besonders?
  • Welche Fragen begleiten uns in unserem Alltag weiter und welche Wünsche haben wir an die Besuchenden?
Foto: Philipp Grenz, Nadine Schmol, Birgit Martin und Hartmut Senf (v.l.n.r.).nach einer Führung durch die Ausstellung. Foto: © Rebekka Schubert

Die inklusive Audiospur entstand als Kooperation von „Barrierefrei erinnern – Das Zentrum für Thüringen“ der Lebenshilfe Thüringen mit dem Saale-Betreuungswerk der Lebenshilfe Jena gGmbH und dem Erinnerungsort Topf & Söhne und wurde von Aktion Mensch gefördert.

Inklusive Audiospur

Einblicke in die Ausstellung

Veröffentlichungen