Tagesprojekt: "... dass Ihr Sohn am 30. Mai 1941 unerwartet infolge einer Grippe verstorben ist."

Dauer: 2 Stunden, Tagesprojekt zur Sonderausstellung "Wohin bringt ihr uns? 'Euthanasie'-Verbrechen im Nationalsozialismus"

Eine Ausstellungstafel mit einem Schwarz-Weiß-Foto und einer Kinderzeichnung, im Hintergrund ist ein Fenster.
Foto: Blick in die Ausstellung "Wohin bringt ihr uns? 'Euthanasie'-Verbrechen im Nationalsozialismus" Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Informationen

Mit Beginn des zweiten Weltkriegs wurde die schon länger geplante, gezielte Ermordung von Menschen in Heil- und Pflegeanstalten in die Tat umgesetzt. Unter der Leitung der Kanzlei des Führers koordinierte eine Abteilung mit Sitz in der Tiergartenstraße 4 in Berlin die Organisation und Verschleierung des ersten nationalsozialistischen Massenmordes, der "Aktion T4". Großflächig wurden Patienten erfasst, von ärztlichen Gutachtern ausgewählt, in Tötungsanstalten transportiert und dort von 1940 bis 1941 mit Gas ermordet. Die Biografie eines Erfurter Jugendlichen, der Opfer dieses "Euthanasie"-Verbrechens wurde, veranschaulicht die Stationen der Anstaltseinweisung, die Begutachtung, die Selektion, die Ermordung sowie die anschließende Verschleierung des Massenmordes.

Durch das Seminar erkennen die Teilnehmenden, dass die Vorstellung einer "Ungleichwertigkeit" von Menschen schon lange vor 1933 Akzeptanz bei etablierten Medizinern und in der Gesellschaft insgesamt gefunden hatte. Dies begünstigte die Gleichgültigkeit oder Befürwortung weiter Teile der Bevölkerung gegenüber der mörderischen Radikalisierung dieser Haltung im Nationalsozialismus.

Nach einer dialogischen Führung durch die Ausstellung "Wohin bringt ihr uns? 'Euthanasie'-Verbrechen im Nationalsozialismus" arbeiten die Teilnehmenden mit zentralen Dokumenten und ausgewählten regionalen Biografien und vertiefen so die in der Ausstellung angesprochenen Themenfelder. Sie erkennen, welche Auswirkungen die nationalsozialistische "Rassenhygiene" auf die Lebenswelt der Betroffenen hatte. Durch die Auseinandersetzung mit Täteraussagen aus Nachkriegsprozessen wird eine Diskussion darüber angeregt, warum die Verantwortlichen kaum verfolgt wurden und die Opfer bzw. ihre Angehörigen so lange um Anerkennung und Entschädigung kämpfen mussten. In diesem Zusammenhang reflektieren und hinterfragen die Teilnehmenden auch aktuelle Bilder und Vorurteile gegen Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen.

Anmeldung von Gruppen

Das Tagesprojekt kann während der Laufzeit der Sonderausstellung – vom 31. Oktober bis zum 4. Juli 2020 – gebucht werden. Gruppen werden gebeten, sich anzumelden. Eine Gruppe kann aus maximal 14 Personen bestehen.

Um die angebotenen Programme auf den Kenntnisstand der Teilnehmer/-innen, das Alter und die Gruppengröße abzustimmen, möchten wir Sie bitten, die detaillierte inhaltliche Programmgestaltung telefonisch mit unseren Mitarbeiterinnen abzusprechen.

Hygienekonzept für Seminare

Bitte beachten Sie bei einem Besuch des Erinnerungsortes die aktuell geltenden Hygieneregeln.