Jochen-Bock-Preis

Preis für Zivilcourage

Mit Graffiti und Flugblättern gegen Hitler - die Erfurter Jugendwiderstandsgruppe

Einzelporträt eines jungen Mannes als Bruststück.Alte und verblichene Schwarz-Weiß-Fotografie.
Foto: Dieses Foto von Jochen Bock aus dem Jahr 1945 schickten die Eltern 1949 zum 2. Todestag „Seinem lieben Freund Karli zum Andenken‟. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt, Privatsammlung Karl Metzner

Im Sommer 1943 fanden fünf Schüler der städtischen Handelsschule in Erfurt (Heute: Ludwig-Erhard-Schule) den Mut, öffentlich gegen das nationalsozialistische Regime und den Krieg zu protestieren. Gerd Bergmann, Jochen Bock, Helmut Emmerich, Karl Metzner und Joachim Nerke waren damals 15 oder 16 Jahre alt und stammten überwiegend aus bürgerlichen Verhältnissen. Die Jugendlichen hörten illegal die Aufrufe des Nationalkomitees Freies Deutschland im russischen Radio und verbreiteten deren Forderung auf selbst hergestellten Flugblättern:

1.) Frieden! 2.) Freiheit! 3.) Brot! 4.) Ende des Hitler-Blutterrors! 5.) Sofortiges Ende des "totalen Krieges" ...!

Der Direktor der Schule schrieb dazu am 29. September 1943:

In der Angelegenheit der staatsfeindlichen Betätigung mehrerer Schüler der Klasse H 1 a der städt. Handelsschule habe ich eine weitere Untersuchung nicht durchgeführt, sondern die Ermittlung restlos der Geheimen Staatspolizei überlassen.

Die fünf Schüler wurden verhaftet. Bis zu ihrer Verurteilung durch das Oberlandesgericht in Kassel im Juni 1944 waren sie in Erfurt im Gefängnis Andreasstraße eingesperrt.

Jochen Bock galt als Rädelsführer und wurde als Letzter erst bei Kriegsende entlassen. Er starb 1947 im Alter von 20 Jahren vermutlich an den Folgen der Haft.

Preis für Zivilcourage

2014 hat der Förderkreis Erinnerungsort Topf & Söhne e.V. den Jochen-Bock-Preis ins Leben gerufen, um den Mut von Jochen Bock und seinen Gefährten zu würdigen und an ihr Schicksal zu erinnern.

Er ehrt mit diesem Preis an einem Ort der Mittäterschaft, dem ehemaligen Firmengelände von J. A. Topf & Söhne, Menschen, die die "Bürgerpflicht zum Nein-sagen" (Fritz Bauer) gegen Antisemitismus, Antiziganismus und jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit in ermutigender Weise wahrgenommen haben.