Bildung
Erinnern – Verstehen – Ermutigen. Historisch-politische Bildungsarbeit am Erinnerungsort Topf & Söhne
In der Kombination von Geschichtsforschung und -vermittlung entwickelt der Erinnerungsort ein breites Angebotsspektrum für seine Besucherinnen und Besucher. Die Angebotsformate reichen von einer Führung in der Ausstellung bis zu mehrstündigen Seminaren, die sich auf vielfältige Weise mit der Dauerausstellung Techniker der »Endlösung«. Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz auseinandersetzen. Zudem erweitern wir unser Angebot um innovative Bildungsformate zu historisch bedeutsamen und gesellschaftlich aktuellen Themen. Wir stellen Unterrichtsangebote bereit und bieten regelmäßig Fortbildungen für Lehrkräfte und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an. Interessierte Einzelbesucher/-innen und auch Gruppen haben die Möglichkeit die wissenschaftliche Fachbibliothek mit rund 4.000 Büchern, Zeitschriften und DVDs zu Nationalsozialismus, jüdischer Geschichte, Industriegeschichte, Erinnerungskultur, Wirtschaftsethik, Rechtsextremismus und weiteren im Kontext des Erinnerungsortes einschlägigen Themenbereichen zu nutzen.
Ziel unserer historisch-politischen Bildungsarbeit ist die Förderung eines kritischen, reflektierten Geschichtsbewusstseins. Es wird die persönliche Auseinandersetzung mit der Geschichte angeregt und ermutigt, sich selbst ein historisches Urteil zu bilden. Die Vermittlungsarbeit verfolgt deshalb den Anspruch, lebensweltbezogen zu arbeiten, in den Reflexionsphasen die Realität und Geschichte der Lernenden mit einzubeziehen und die Frage nach der eigenen Verantwortung heute zu reflektieren. Damit stellt sich die Bildungs- und Vermittlungsarbeit die Aufgabe, die gesellschaftlichen und individuellen Potenziale für soziale Verantwortung, Demokratie und Menschenrechte zu stärken und gegen jede Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit Stellung zu beziehen.
Durch die berührende Begegnung mit Überlebenden der Shoah und die Dokumentation ihrer Erfahrungen sowie ihrer Perspektive auf die Mittäterschaft von Topf & Söhne an den Massenverbrechen in den Lagern bewahrt der Erinnerungsort das unersetzbare Vermächtnis der Überlebenden für heutige und zukünftige Generationen und vermittelt ihre Botschaft der Mitmenschlichkeit nach dem Ende der direkten Zeitzeugenschaft weiter.
In der Regel steht der außerschulische Lernort für Jugendliche ab dem neunten Schuljahr offen, ebenso wie für Gruppen der Erwachsenenbildung. Wenn nicht anders gekennzeichnet, sind die Angebotsformate offen für unterschiedliche Lerntypen oder Motivationslagen.
Die Bildungsangebote folgen den Grundprinzipien der Gedenkstättenpädagogik. Der Bildungsprozess wird offen und demokratisch gestaltet und den Teilnehmenden eigenständige Arbeit ermöglicht. Während des pädagogischen Prozesses gelten das dialogische Prinzip und das Verbot der Indoktrination.
Die Bildungs- und Vermittlungsarbeit am Erinnerungsort verfolgt den Ansatz des forschenden Lernens. Mit innovativen und multiperspektivisch angelegten Formaten und Methoden wollen wir verständnisorientierte Geschichtsvermittlung fördern und auf aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen Bezug nehmen. Die Teilnehmenden bekommen in den Seminaren die Möglichkeit, Originalquellen zu erkunden und Mittäterschaft, Erfahrungen der Opfer und individuelle Handlungsspielräume am konkreten Beispiel nachzuvollziehen.
In der Planung der Führungen, Seminare und Fortbildungen orientiert sich unser Bildungsteam an Vorwissen, Interessen und Wünschen der Gruppe. Unsere bestehenden Konzepte evaluieren wir regelmäßig und entwickeln sie weiter. Alle Angebote werden von der Gedenkstättenpädagogin des Erinnerungsortes und von freiberuflichen Guides betreut, die vom Erinnerungsort intensiv aus- und fortgebildet werden. Im Bildungsteam verbinden sich Kompetenzen aus Pädagogik, Geschichte, Politikwissenschaften und Soziologie.
Für seine innovative Bildungs- und Vermittlungsarbeit wurde der Erinnerungsort 2014 mit dem Museumspreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen ausgezeichnet.
Eine große Gruppe von Besucher/-innen sind Schulklassen. Besonderes Anliegen des Erinnerungsortes sind Angebote für die in Gedenkstätten unterrepräsentierte Zielgruppe der Berufsschüler/-innen. Jugendliche in Berufsausbildung und -vorbereitung haben eigene Anknüpfungspunkte durch ihre Erfahrung mit Unternehmenspraktiken und betrieblichen Abläufen, wie sie auch die Dokumente in der Dauerausstellung widerspiegeln.
Für verschiedene Berufsgruppen, wie zum Beispiel technische und kaufmännische Berufe sowie Angehörige von Polizei, Bundeswehr und Justiz bieten wir Führungen und Seminare an, die einen Raum bieten für die Reflexion spezifischer berufsethischer Fragestellungen.
Wichtig ist uns, mit unserer Bildungs- und Vermittlungsarbeit auch Menschen mit Lernbehinderungen und Lernschwierigkeiten zu erreichen, die häufig von Bildungssettings ausgeschlossen sind. In der Kooperation mit "Barrierefrei erinnern – Das Zentrum für Thüringen" des Landesverbandes Thüringen der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung baut der Erinnerungsort seine konzeptionellen Zugänge und Angebotsformate in leichter Sprache aus.
Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus ist für alle Mitglieder der Gesellschaft – mit und ohne Migrationsgeschichte – von Bedeutung. Unsere Angebote werden deshalb kontinuierlich auf die Bedarfe und Herausforderungen der (post-) migrantischen Gesellschaft hin überprüft und angepasst, um die Geschichte des Nationalsozialismus auch für Menschen mit kulturellen Wurzeln außerhalb Europas zugänglich zu machen und aktuelle lebensweltliche Anknüpfungspunkte zu schaffen.
Zudem bieten wir regelmäßig Fortbildungen für Lehrkräfte und Multiplikatorinnen und Multiplikatoren an, die innovative Zugänge und Methoden der historisch-politischen Bildungsarbeit zum Inhalt haben. Die Angebote sind praxisnah und basieren auf unserer jahrelangen Erfahrung als außerschulischer Lernort.
Das aktuelle Angebot findet sich auf unserer Website:
Fach-Lehrerinnen und Lehrer sind diejenigen, die ihre Klasse am besten kennen und damit die wichtigsten Ansprechpersonen für das Team des außerschulischen historisch-politischen Lernortes. Am Ort selbst sind die Guides und Teamenden die Expertinnen und Experten für die Umsetzung der Führungen und Seminare. Hier finden sie wichtige Punkte für eine gelingende Zusammenarbeit zwischen Lehrkräften und pädagogischen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen aufgelistet.
Damit ein Besuch des Erinnerungsortes Topf & Söhne im Sinne eines nachhaltigen Bildungssettings umgesetzt werden kann, bedarf es einer angemessenen Vor- und Nachbereitung. Interessierte Lehrkräfte erhalten in diesem Dokument Anregungen hierzu. Gern können Sie unser Team bei weiteren Fragen kontaktieren.
Der Erinnerungsort Topf & Söhne unterhält zahlreiche Kooperationen und Partnerschaften zu Schulen und Bildungsträgern in Erfurt und in Thüringen. Die Kooperationen sind auf die Bedürfnisse des Partners abgestimmt. In enger Zusammenarbeit entwickelt der Erinnerungsort gemeinsam mit dem Kooperationspartner ein für dessen Anliegen passendes Angebot.
Wir sind Ansprechpartner für Projektwochen oder die Vorbereitung von Gedenkstättenfahrten.
Gern können Sie uns ansprechen, wenn Sie an einer Kooperation mit uns als historisch-politischen Lernort interessiert sind.
Rebekka Schubert steht Ihnen als Ansprechpartnerin zur Verfügung.