Tagesprojekt: Verbrechen, Verschleierung, Verantwortung. Eine Auseinandersetzung mit "Euthanasie"-Verbrechen und Holocaust

Dauer: 4,5 Stunden, Tagesprojekt in der Sonder- und Dauerausstellung in Kombination

Kleinere Gruppe steht um eine kubische Stele mit Text und Bildern.
Foto: Führung durch die Innenausstellung Foto: © Stadtverwaltung Erfurt, Boris Hajdukovic

Informationen

Die Diskussion um die Verantwortung von Ärztinnen und Ärzten sowie Pflegekräften bei den "Euthanasie"-Verbrechen im Nationalsozialismus dient in diesem Seminar als Anlass, auch das Verhalten der Mitwisser und Mittäter in der Firma Topf & Söhne in den Blick zu nehmen.

Die Teilnehmenden beschäftigen sich zunächst mit der Sonderausstellung "Wohin bringt ihr uns? 'Euthanasie'-Verbrechen im Nationalsozialismus". Nach einer dialogischen Führung arbeiten sie mit zentralen Dokumenten und einer Biografie und vertiefen so die in der Ausstellung angesprochenen Themenfelder. Im Fokus steht die Geschichte der "Aktion T4", dem ersten zentral geplanten nationalsozialistischen Massenmord. Großflächig wurden Patient/-innen in Heil- und Pflegeanstalten erfasst, von ärztlichen Gutachtern ausgewählt, in Tötungsanstalten transportiert und dort von 1940 bis 1941 mit Gas ermordet. Die ausgewählte Lebensgeschichte eines Erfurter Jugendlichen, der Opfer dieses "Euthanasie"-Verbrechens wurde, veranschaulicht die Stationen der Anstaltseinweisung, Begutachtung, Selektion und Ermordung sowie die Verschleierung des Massenmordes.

Anschließend sprechen die Teilnehmenden über die justizielle Aufarbeitung der Medizinverbrechen und setzen sich mit Aussagen von Täter/-innen vor Gericht auseinander. Dabei beleuchten sie Motive, Handlungsmöglichkeiten und Entscheidungen der Verantwortlichen, die in den Verhandlungen jede Schuld von sich wiesen.

Aus dieser Perspektive heraus betrachten die Teilnehmenden das Handeln von Geschäftsführern, Ingenieuren, Technikern und Verwaltungsangestellten der Firma J.A. Topf & Söhne. In Erfurt entwickelten die Mitarbeiter des Unternehmens Leichenverbrennungsöfen sowie die Be- und Entlüftungsanlagen für die Gaskammern in Auschwitz-Birkenau und ermöglichten so den industriellen Massenmord in dem Vernichtungslager.

Durch die Kombination der Inhalte von Dauer- und Sonderausstellung und die Reflektion zur Mitwisser-, Mittäter- und Täterschaft regt das Seminar dazu an, über die eigene Verantwortung im beruflichen und zwischenmenschlichen Alltagshandeln nachzudenken.

Anmeldung von Gruppen

Das Tagesprojekt kann während der Laufzeit der Sonderausstellung – vom 31. Oktober bis zum 4. Juli 2020 – gebucht werden. Gruppen werden gebeten, sich anzumelden. Eine Gruppe kann aus maximal 28 Personen bestehen.

Um die angebotenen Programme auf den Kenntnisstand der Teilnehmer/-innen, das Alter und die Gruppengröße abzustimmen, möchten wir Sie bitten, die detaillierte inhaltliche Programmgestaltung telefonisch mit unseren Mitarbeiterinnen abzusprechen.

Hygienekonzept für Seminare

Bitte beachten Sie bei einem Besuch des Erinnerungsortes die aktuell geltenden Hygieneregeln.