Eva Umlauf

Eva Umlauf, geboren 1942 als Eva Hecht im Zwangsarbeitslager Nováky, Jüdin. Mit ihrem Vater und ihrer schwangeren Mutter wurde das zweijährige Mädchen in das Vernichtungslager Auschwitz Birkenau deportiert. Sie, ihre Mutter und die im April 1945 geborene Schwester überlebten, ihr Vater wurde im KZ Mauthausen ermordet.

Eine Frau auf einem grünen Sofa.
Foto: Eva Umlauf im Interview mit dem Erinnerungsort Topf & Söhne, 2017 Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Fühlt euch nicht schuldig. Versucht alles zu machen, dass es nie wieder passiert. Dass ihr das machen könnt, bin ich ganz sicher.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Historische Schwarz-Weiß-Fotografie von einem Kleinkind auf einem Schlitten sitzend.
Foto: Eva Umlauf vor dem Lagerzaun in Nováky, Winter 1943/44 Foto: © Eva Umlauf

Eva Umlauf wurde am 19. Dezember 1942 in einem Zwangsarbeitslager für jüdische Häftlinge im slowakischen Nováky geboren. Am 17. Oktober 1942 waren ihre Eltern Imro und Agnes Hecht, geb. Eisler, dorthin verschleppt worden. Der Vater war Buchhalter, das junge Paar aus Trenčín hatte erst in diesem Jahr geheiratet. Eva war das erste Kind, das in Nováky geboren wurde. Ihre Mutter erzählte ihr später, wie sie für die Mithäftlinge zu einem Symbol für das Leben wurde. Doch Nováky war ein Durchgangs- und Sammellager für die Deportationen in die Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau und Majdanek.

Am 3. November 1944 wurde Eva Umlauf im Alter von knapp zwei Jahren zusammen mit ihrer schwangeren Mutter und ihrem Vater mit einem der letzten Transporte nach Auschwitz-Birkenau deportiert. Bei der Ankunft wurde der Vater von seiner Frau und seiner Tochter getrennt. Angesichts der vorrückenden Roten Armee bereitete die SS seit Sommer 1944 die Räumung des Vernichtungslagers vor. Ende Oktober stellte sie das Morden in den Gaskammern ein. Nur deshalb wurde die kleine Eva nach ihrer Ankunft nicht sofort getötet, sondern mit ihrer Mutter im Lager aufgenommen und als „Häftling“ registriert. Ihr wurde die Nummer A-26958 auf ihren Unterarm tätowiert. Im Lager wurde das Mädchen todkrank, auch die Mutter erkrankte schwer. Der Vater wurde am 20. Januar 1945 auf einen Todesmarsch nach Melk, einem Außenlager des KZ Mauthausen, geschickt. Aufgrund der unmenschlichen Bedingungen und der schweren Zwangsarbeit erkrankte er dort und starb am 21. März 1945 an einer Blutvergiftung.

Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee befreit. Im Juni 1945 kehrte Eva mit ihrer Mutter und der im April geborenen kleinen Schwester in die Slowakei zurück. Die Suche der Mutter nach ihren Verwandten blieb ergebnislos. Evas Groß- und Urgroßeltern und die drei Geschwister der Mutter starben im Holocaust.

Für die wenigen Juden, die nach Trenčín zurückgekehrt waren, war es wie ein Wunder, dass die 21-jährige Agnes Hecht und ihre kleinen Töchter das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau überlebt hatten. Doch Eva erkrankte erneut sehr schwer an offener Tuberkulose, die in einer Lungenheilanstalt in der Hohen Tara ausgeheilt werden konnte. Auch in der Schule, die sie sehr gern besuchte, fehlte sie immer wieder wochenlang wegen schwerer Erkrankungen.

Evas Kindheit und Jugend waren gleichzeitig von der Angst der Erwachsenen vor einer neuen Judenverfolgung geprägt – vor allem, als der Antisemitismus in Osteuropa mit einem Schauprozess gegen Kommunisten mit jüdischen Wurzeln in Prag 1952 seinen Höhepunkt erreichte.

Ihre schweren Erkrankungen in der Kindheit weckten in Eva Umlauf den Wunsch, Kinderärztin zu werden. Nach Abschluss ihres Medizinstudiums in Bratislava folgte sie 1967 ihrem Mann nach München. Er war amerikanischer Staatsbürger und arbeitete in Deutschland. Die beiden bekamen einen Sohn. Nur wenige Jahre später, 1971, verunglückte ihr Mann tödlich. Eva Umlauf machte ihre fachärztliche Ausbildung an der Kinderklinik in München, heiratete 1973 erneut und bekam mit ihrem zweiten Mann zwei Söhne. Auf einer Gedenkfeier in Auschwitz im Jahr 2011 sprach sie erstmals über Ihre Geschichte und ist seitdem als Zeitzeugin aktiv. 2016 veröffentlichte sie ihre Lebensgeschichte in dem Buch "Die Nummer auf deinem Unterarm ist blau wie deine Augen". Sie lebt in München und ist bis heute als Kinderärztin und Psychotherapeutin tätig.

Interview