Die Mädchen von Zimmer 28. L 410, Theresienstadt

25.01.2020 10:00 – 28.06.2020 18:00

Die Geschichte der Mädchen von Zimmer 28 im Lager Theresienstadt zeigt, welche Kraft Kunst und Kultur im Ringen um Selbstbehauptung in einer unmenschlichen Zeit zu entfalten vermögen.

Zu sehen sind verschiedene Striche und Muster in unterschiedlichen Farben.
Farbpalette, gemalt von Judith Schwarzbart (1930-2019) in Theresienstadt im Unterricht von Friedl Dicker-Brandeis (1898-1944) Foto: © Judith Rosenzweig, geb. Schwarzbart, Jüdisches Museum Prag
28.06.2020 18:00

Die Mädchen von Zimmer 28. L 410, Theresienstadt

Genre Ausstellung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Erinnerungsort Topf & Söhne
Veranstaltungsort Erinnerungsort Topf & Söhne, Sorbenweg 7, 99099 Erfurt

Weitere Informationen

Die Mädchen von Zimmer 28. L 410, Theresienstadt

Eine ältere Frau betrachtet lächelnd eine Bildtafel. Darauf ist ein Kinderbild von ihr zu sehen.
Foto: Helga Pollak-Kinsky, geb. 1930 in Wien, Überlebende von Theresienstadt und Auschwitz, vor der Titeltafel in der Ausstellung mit ihrem Kinderfoto, 2005 in Leutershausen Foto: © Hannelore Brenner

12 bis 14 Jahre waren die Mädchen alt, die im Zimmer 28 des sogenannten Mädchenheim L 410 im Ghetto Theresienstadt zu einer Gemeinschaft zusammenwuchsen. Sie stammten aus jüdischen Familien in der Tschechoslowakei und Österreich. Die Ausstellung wirft ein Licht auf die Entrechtung und Beraubung der Juden in diesen Ländern und schildert das Leben und den Alltag im Ghetto Theresienstadt zwischen 1942 und 1944. Sie berichtet von den Mädchen im Zimmer 28 – von einer „Insel im tobenden Meer“. Betreut von Erwachsenen, jüdische Häftlinge wie sie, wuchs die Gruppe zusammen. Immer wieder wurde diese Gemeinschaft auseinandergerissen. Mädchen mussten antreten zum gefürchteten „Transport nach Osten“. Von etwa 50 bis 60 Mädchen, die für eine Weile im Zimmer 28 untergebracht waren, überlebten nur 15 Mädchen den Holocaust. Die meisten starben in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau.

Die Ausstellung basiert auf dem 2004 erschienenen Buch Die Mädchen von Zimmer 28 von Hannelore Brenner. Die von den Mädchen selbst verfassten Dokumente, das Tagebuch von Helga Pollak, das Poesiealbum von Anna Flach, das Notizbüchlein von Handa Pollak, sowie Fotos, Gedichte, Sketche, Bilder, die Hymne vom Zimmer 28 und viele weitere Zeugnisse aus Theresienstadt und Auschwitz geben einen Einblick in die Lebenswelt und das Schicksal der Mädchen. Damit vermittelt die Ausstellung die Geschichte dieser Kinder anschaulich auch jüngeren Generationen. Viele Jahre begleiteten die Überlebenden die Ausstellung. Gewidmet ist sie den Kindern von Theresienstadt, die im Holocaust ermordet wurden.

Zu sehen ist eine Vase mit fünf Blumen in unterschiedlichen Farben.
Foto: Vase, gezeichnet von Erika Stransky (1930-1944) in Theresienstadt Foto: © Erika Stransky, Jüdisches Museum Prag

Die Ausstellung ist auch eine Hommage an jene Erwachsenen in Theresienstadt, die für die Kinder wichtig wurden. Freiwillige Erzieherinnen versuchten in den Grenzen des Möglichen den Mädchen durch einen illegalen Unterricht Bildung zu ermöglichen und moralische Werte zu vermitteln. Sie setzten alles daran, die Kinder vor dem Elend und dem Terror abzuschirmen und ihnen ein einigermaßen normales Leben zu ermöglichen. Trotzdem war die Angst immer da, die Angst vor den Transporten in das Vernichtungslager Auschwitz.

Was im Mikrokosmos Zimmer 28 dank dieser engagierten Erwachsenen – Pädagogen, Lehrer, Künstler – geschah und sich durch die Überlebenden und durch die überlieferten Dokumente und Zeugnisse manifestiert, lässt erahnen, welche elementare Bedeutung kulturellem Schaffen, künstlerischen Leistungen und ethischen Werten zukommt. Trotz des täglichen Kampfes um Nahrung, Sauberkeit und Gesundheit und vor allem dem völligen Ausgeliefertsein an die Willkür der deutschen Lagerleitung gelang es den Verantwortlichen, den traumatisierten, entwurzelten Kindern einen emotionalen Halt und eine soziale Gemeinschaft zu bieten.

So gab beispielsweise die berühmte Bauhaus Künstlerin Friedl Dicker-Brandeis in ihren Malstunden ihren Erfahrungsschatz an die Kinder weiter. „Ihre Art zu unterrichten – darin lag etwas, was uns für Augenblicke ein Gefühl der Unbeschwertheit gab“, erinnert sich Helga Pollak-Kinsky. Die damals entstandenen Zeichnungen der „Mädchen von Zimmer 28“ sind Teil der Ausstellung.

Die Ausstellung erzählt von einer außergewöhnlichen Gemeinschaft. Die Geschichte der Mädchen von Zimmer 28 zeigt, welche Kraft Kunst und Kultur zu entfalten vermögen im Ringen um Selbstbehauptung in einer unmenschlichen Zeit, um die Behauptung der eigenen Identität und Würde. In einem menschenverachtenden Umfeld schufen die Mädchen sich im Zimmer 28 eine individuelle Gegenwelt, in der sie Werte wie Mitmenschlichkeit, Freundschaft, Solidarität und tolerantes Umgehen miteinander hochhielten und lebten. Mit der Gründung ihrer kleinen Organisation Ma'agal setzten sie sich hohe Ziele und machten sich diese zum Lebensmotto. So wurde aus dem Zimmer 28 gleichsam eine „Keimzelle der Menschlichkeit“.

Die Geschichte der Mädchen ist eng verbunden mit den Theresienstädter Aufführungen der Kinderoper Brundibár von Hans Krása und Adolf Hoffmeister. Einige der Mädchen spielten selbst in der Oper mit, so spielte Ela Stein die Katze, Maria Mühlstein häufig den Spatz, einige sangen im Chor der Schulkinder und alle haben die Aufführungen besucht und kannten die Lieder auswendig. Die Überlebenden erinnern die Oper als „ein Licht in der Dunkelheit“.

Das Buchcover zeigt den Titel des Buches sowie eine Kinderzeichnung und fünf Mädchen-Porträts.
Foto: 2008 gab der Aufbau-Verlag das Buch „Die Mädchen von Zimmer 28. Freundschaft, Hoffnung und Überleben in Theresienstadt“ von Hannelore Brenner heraus. Foto: © Aufbau-Verlag

Die Ausstellung, die von der Autorin Hannelore Brenner gemeinsam mit Überlebenden von Zimmer 28 entwickelt wurde, wurzelt in deren Wunsch, dass mit der Erinnerung an das Zimmer 28 auch jene Werte weiterleben, die für die Frauen wichtig wurden: Mitgefühl, Respekt, Solidarität, Freundschaft, Kultur. Es wurzelt auch in der Hoffnung, dass die Geschichte dieser Mädchen als Mahnung und als Beispiel dafür dienen möge, „wie leicht ein neuer Holocaust geschehen kann, wenn gutwillige Menschen gleichgültig sind und es hasserfüllten Fanatikern erlauben, an die Macht zu kommen.“ So hat es Handa Drori, eine der Überlebenden von Zimmer 28, formuliert.

Veröffentlichungen

Reden

Pressestimmen

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Veranstaltungen

Die Veranstaltungen und Führungen beziehen sich auf die aktuelle Sonderausstellung und die Dauerausstellungen. Darüber hinaus thematisieren sie historische und aktuelle Fragen im Kontext von Antisemitismus, Rechtsextremismus und anderen Formen der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit.

Abgebildet ist der Buchtitel. Im Hintergrund des Covers eine Tuschezeichnung mit Bismarck.
©  Hoffmann und Campe

Wessen Erinnerung zählt. Koloniale Vergangenheit und Rassismus heute

28.04.2020 19:00 – 21:00

Der Migrations- und Rassismusforscher Mark Terkessidis macht in seinem Vortrag sichtbar, welche Fragen sich ergeben, wenn auch die Erinnerung jener zählt, die eingewandert und damit Teil der Gesellschaft geworden sind.

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Personengruppe steht um einen Tisch
©  Stadtverwaltung Erfurt

Demokratielernen in Zeiten rechtspopulistischer Landnahme

23.04.2020 14:00 – 17:30

Die Fortbildung beschäftigt sich mit den aktuellen fachwissenschaftlichen Diskussionen zu den Themen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rechtspopulismus, extreme Rechte und beleuchtet außerdem praktische Beispiele aus dem Schulalltag.

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Ein Mann steht hinter einem Rednerpult und spricht in ein Mikrofon.
©  Stadtverwaltung Erfurt

Theresienstadt. Eine Geschichte von Täuschung und Vernichtung

21.04.2020 18:00 – 20:00

Prof. Dr. Wolfgang Benz spricht in seinem Vortrag über den Charakter und die Rolle des Ghettos Theresienstadt im Kontext der nationalsozialistischen Verfolgung und Vernichtung.

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Mehrere Menschen in einer Veranstaltung. Ein Junge meldet sich.
©  Stadtverwaltung Erfurt/ B. Hajdukovic

Rechtspopulistische Landnahmen – Demokratiekrise der Berliner Republik

18.03.2020 19:00 – 21:00

Mit seinem Vortrag beleuchtet Prof. Dr. Wolfgang Schroeder das zerklüftete Parteiensystem in Deutschland und diskutiert verschiedene Fragen zum Rechtsruck in der Gesellschaft.

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In der rechten Bildhälfte Gruppe mit Kopfhörern, in der linken Bildhälfte steht eine ältere weibliche Person vor einer Tafel. Im Hintergrund ein Tor mit Schriftzug "Arbeit macht frei" und eine Backstein-Baracke
©  Stadtverwaltung Erfurt

Gedenkstättenfahrten zu Orten der Vernichtung in Polen. Durchführung, Vor- und Nachbereitung

30.01.2020 09:30 – 15:30

In der eintägigen Fortbildung setzen sich die teilnehmenden Lehrkräfte mit der Frage nach Möglichkeiten und Grenzen von Gedenkstättenfahrten auseinander, sie erhalten Informationen zur Programmorganisation vor Ort sowie konkrete Vorschläge zur Vor- und Nachbereitung.

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Publikum hört mehreren älteren Personen zu
©  Stadtverwaltung Erfurt/Boris Hajduković

Begegnung mit Überlebenden von Buchenwald und Auschwitz

28.01.2020 17:00 – 19:00

Anlässlich des Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus lädt der Erinnerungsort auch in diesem Jahr wieder zu Gedenkveranstaltungen ein und ermöglicht die Begegnung mit Überlebenden der nationalsozialistischen Vernichtung.

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Eine ältere Frau betrachtet lächelnd eine Bildtafel. Darauf ist ein Kinderbild von ihr zu sehen.
©  Hannelore Brenner

Theresienstadt-Abend: Die Mädchen von Zimmer 28

25.01.2020 20:00 – 22:00

Lesung aus "Mein Theresienstädter Tagebuch 1943-1944 und die Aufzeichnungen meines Vaters Otto Pollak" von Helga Pollak-Kinsky und Musik mit dem Ensemble Zwockhaus

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Eine ältere Frau betrachtet lächelnd eine Bildtafel. Darauf ist ein Kinderbild von ihr zu sehen.
©  Hannelore Brenner

Ausstellungseröffnung: Die Mädchen von Zimmer 28. L 410, Theresienstadt

24.01.2020 18:00 – 20:00

Die Ausstellung über das Zimmer 28 im Mädchenheim L 410 in Theresienstadt erzählt von Kindern und Erwachsenen, die in einer unmenschlichen Umgebung Werte wie Mitgefühl, Respekt, Solidarität und ihre Freundschaften mittels Kunst und Kultur verteidigen und bewahren konnten.

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