Mehrtagesprojekt: Was geht mich das an?

Dauer: 3 Tage, in Kooperation mit Spirit of Football e. V.

Personengruppe steht um einen Tisch
Foto: Teilnehmende im Projekt "Was geht mich das an?" Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Wir alle sind vielfältig

Ausschnitt einer Ausstellungstafel auf der ein Bild einer Fußballmannschaft von 1910 abgedruckt ist.
Foto: In der Ausstellung "Kicker, Kämpfer, Legenden" geht es auch um die Lebensgeschichte von Julius Hirsch. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Wir alle sind vielfältig.

Julius Hirsch, geboren 1892, war schon von Kindesbeinen an leidenschaftlicher Fußballer. Er spielte in der Nationalmannschaft, wurde mit zwei Mannschaften Deutscher Meister und trat bei den Olympischen Spielen an. Im Ersten Weltkrieg wurde er als Soldat eingezogen. Julius Hirsch war auch Kaufmann und Teilhaber eines Familienbetriebs, er war Vater und Ehemann und er stammte aus einer jüdischen Familie.

Die Nationalsozialisten nahmen ihm Schritt für Schritt alles, was ihn als Menschen ausmachte. Er durfte nicht mehr Fußball spielen, seinen Beruf nicht mehr ausüben und er musste sich von seiner nichtjüdischen Frau und den Kindern trennen, um diese vor Verfolgung zu schützen.

1943 verschleppten die Nationalsozialisten ihn nach Auschwitz-Birkenau, wo sie ihn ermordeten.

Besucher einer Ausstellung
Foto: Blick in die Ausstellung "Kicker, Kämpfer, Legenden" Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / D. Urban

Aus der Geschichte lernen heißt: Menschenrechte für alle statt Abwertung und Ausgrenzung! Wir engagieren uns für eine Gesellschaft, in der die Vielfalt aller anerkannt wird und damit ein gleichberechtigtes und solidarisches Zusammenleben möglich wird.

Mit einem Grafitto zu Julius Hirsch reihen sich Spirit of Football e.V. und der Erinnerungsort Topf & Söhne in die Glänzenden Aktionstage der Initiative Die Vielen am 8. und 9. Mai 2020 zum 75. Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus ein, die das Kunsthaus und die Ständige Kulturvertretung Erfurt unter dem Motto „Gold statt Braun“ in unsere Stadt getragen haben.

In den Workshops "Was geht mich das an?" laden der Erinnerungsort Topf & Söhne und Spirit of Football e.V. Jugendliche dazu ein, mit uns über die Zukunft einer vielfältigen und demokratischen Gesellschaft zu diskutieren. Wir beschäftigen uns mit Julius Hirsch und diskutieren, wer Verantwortung für die Verbrechen im Nationalsozialismus trug. Die Teilnehmenden setzen sich mit Ausgrenzung in ihrem heutigen Alltag auseinander und reflektieren ihr eigenes Verhalten in Diskriminierungssituationen.

Informationen

Idee und Anliegen

Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust fördert Integration. Sie macht deutlich, dass Demokratie und Menschenrechte existentiell für eine offene und lebenswerte Gesellschaft sind. Menschen mit kulturellen Wurzeln außerhalb Europas benötigen einen eigenen Zugang zur Geschichte des Nationalsozialismus. Er entsteht im Dialog auf Augenhöhe zwischen Zugewanderten und hier Aufgewachsenen. Im Projekt geht es um folgende Fragen:

  • Was bedeutet es, dass die Würde des Menschen unantastbar ist, wie es das Grundgesetz fordert?
  • Welche Relevanz hat die Geschichte des Nationalsozialismus in Deutschland für Menschen mit Fluchterfahrung?
  • Was können sie zur Erinnerungskultur beitragen?

Anhand der Geschichte jüdischer Familien in Erfurt und der Mittäterschaft der Firma Topf & Söhne am Holocaust erfahren die Teilnehmer/-innen von Verfolgung und von Verantwortung für die Verbrechen während der Zeit des Nationalsozialismus. Basierend auf dieser Geschichte überlegen sie, welche Bedeutung die Grundrechte für sie persönlich und die Gesellschaft haben und welche Verantwortung der einzelne Mensch für andere trägt. Den Abschluss des Projekts bildet ein gemeinsames Fairplay-Fußballspiel.

Geflüchtete Menschen aus Syrien, Irak oder Afghanistan sind als Co-Teamer beteiligt. Mit ihren Erfahrungen von Verfolgung und Flucht geben sie dem Projekt eine ganz persönliche Perspektive. Für die Teilnehmer/-innen, die selbst Fluchterfahrung haben, sind sie Ansprechpartner bzw. Übersetzer.

Zielgruppe

Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Fluchtgeschichte, Integrationskurse und Willkommensklassen sowie Schülerinnen und Schüler aus allen weiterführenden Schulen

Das Mindestalter für die Teilnahme beträgt in der Regel 14 Jahre.

Die Methoden werden an den Kenntnisstand und das Alter der Teilnehmer/-innen angepasst. Gern beraten wir Sie, welche Methoden sich für Ihre Gruppe am besten eignen.

Organisatorisches

Lockere, bequeme Kleidung und Sportschuhe sind mitzubringen. Sollten Sie von außerhalb Erfurts anreisen, beraten wir Sie gern zu Beitragshilfen für Fahrtkosten.

Die Teilnehmer/-innen sind wie bei Exkursionen üblich über den Bildungsträger oder die Schule zu versichern.

Bitte beachten Sie, dass für die Projekte mit Kooperationspartnern mitunter Kosten anfallen können (Eintritt, Honorare für die pädagogische Betreuung).

Veröffentlichungen

Titelseite eines Flyers mit einem Foto von jungen Menschen die in einem Kreis sitzen.
©  Stadtverwaltung Erfurt

Faltblatt zum Projekt "Was geht mich das an?"

16.07.2018 10:15

Am Beispiel der Denunziation von Erfurter Juden durch Nachbarn und Arbeitskollegen sowie der Mittäterschaft von Topf & Söhne am Holocaust wird die Beteiligung des Einzelnen an den nationalsozialistischen Verbrechen thematisiert. Das Projekt verbindet die Erarbeitung historischer Themen mit der Auseinandersetzung über Menschenrechte heute.

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Einblicke in das Projekt

Anmeldung von Gruppen

Um die angebotenen Programme auf den Kenntnisstand der Teilnehmer/-innen, das Alter und die Gruppengröße abzustimmen, möchten wir Sie bitten, die detaillierte inhaltliche Programmgestaltung telefonisch mit unseren Mitarbeiterinnen abzusprechen.