Wie zukünftig an Paul Schäfer in Erfurt erinnern?

08.04.2019 19:00 – 08.04.2019 21:00

Vorstellung der Ergebnisse der Besucherbefragung in der Sonderausstellung "Die zwei Tode des Paul Schäfer" und öffentliche Debatte über den zukünftigen Umgang mit der Gedenktafel an seinem Wohnhaus

Gedenktafel auf Hauswand mit Inschrift: Paul Schäfer 1894-1938. Im Kampf gegen den Faschismus gab er sein Leben.
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt, Dirk Urban
08.04.2019 21:00

Wie zukünftig an Paul Schäfer in Erfurt erinnern?

Genre Veranstaltung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Erinnerungsort Topf & Söhne
Veranstaltungsort Erinnerungsort Topf & Söhne, Sorbenweg 7, 99099 Erfurt

Als Spanienkämpfer, gefallen im Kampf gegen Franco, wurde der Erfurter Kommunist Paul Schäfer in der DDR zur Legende stilisiert. Tatsächlich starb er 1938 als Opfer des stalinistischen Terrors in Moskau. Die noch bis 28. April gezeigte Sonderausstellung Die zwei Tode des Paul Schäfer. Legende und Lebensgeschichte eines Erfurter Kommunisten entstand in Zusammenarbeit mit seinem Urenkel Thomas Schäfer auf der Basis umfangreicher Recherchen in zahlreichen Archiven, darunter in Moskau. Die Ausstellung berichtet über den Menschen, seinen politischen Werdegang und den tragischen Tod im Moskauer Exil, in das er sich vor den nationalsozialistischen Verfolgern geflüchtet hatte. Sie verfolgt die Spuren der Legende vom Spanientod zurück bis zu ihrem Ursprung im November 1945 und setzt sich kritisch mit der Geschichtspolitik in der DDR auseinander. In der Ausstellung sind die Besucher eingeladen, ihre Meinung über die zukünftige Erinnerung an Paul Schäfer in Erfurt zu notieren. Konkret steht der Umgang mit der Gedenktafel, die vermutlich in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre an seinem ehemaligen Wohnhaus angebracht wurde, zur Diskussion. Soll sie nach ihrer derzeitigen Präsentation in der Ausstellung zurückgehängt werden? Soll sie durch einen Kommentar ergänzt werden? Was soll dort stehen und wie soll er gestaltet werden? Auf der Veranstaltung werden die Besuchermeinungen öffentlich ausgewertet und das weitere Vorgehen besprochen. Dank der Zusammenarbeit mit den bei der Veranstaltung anwesenden Hauseigentümern kann das Ergebnis auch praktisch umgesetzt werden.

Die Neugestaltung des Gedenkens an Paul Schäfer wird so zum exemplarischen Fall, wie eine von Bürgerinnen und Bürgern selbst aktiv gestaltete Gedenkpolitik aussehen kann, die Erinnerungszeichen aus der DDR weder spurlos entfernt noch unkommentiert belässt trotz neuer historischer Erkenntnisse. Dies kann auch einen produktiven Umgang mit anderen in der Diskussion stehenden Denkmalen wie dem Ehrenhain für die Verfolgten des Naziregimes auf dem Erfurter Hauptfriedhof befördern.