Vortrag über die erste Deportation von Jüdinnen und Juden aus Thüringen im Mai 1942

30.04.2026 16:50

Der 9./10. Mai 1942 stellt ein entscheidendes Datum in der Thüringer Geschichte dar. Mit der ersten großen Deportation der jüdischen Bevölkerung aus 42 Orten in Thüringen, darunter Erfurt, begann hier in der Region der Holocaust. Seit 2012 engagiert sich der Erinnerungsort Topf & Söhne mit Gedenkaktionen für die Erinnerung an die Ermordeten. Nun lädt er anlässlich des historischen Geschehens am 5. Mai um 19 Uhr zu dem Vortrag „Transit Ghettos Bełżyce. 84 Jahre nach der ersten großen Deportation von Jüdinnen und Juden aus Thüringen“ des Historikers Dr. Andreas Kahrs ein.

Dr. Andreas Kahrs spricht im Erinnerungsort Topf & Söhne

Foto: Am 9. Mai 2022, 80 Jahre nach der ersten großen Deportation, schrieben Menschen die Namen aller Jüdinnen und Juden aus Thüringen, die Opfer im Holocaust wurden, auf den Erfurter Bahnhofsvorplatz. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt, Dirk Urban

513 Frauen, Männer und Kinder mussten sich am 9. Mai 1942 an Sammelplätzen in ihrer jeweiligen Stadt einfinden und wurden dann mit dem Zug zunächst in die Viehauktionshalle Weimar gebracht und von dort am folgenden Tag in das Ghetto Bełżyce westlich von Lublin verschleppt.

Die polnischen Einwohnerinnen und Einwohner von Bełżyce waren etwa zur Hälfte jüdisch. Wie auch die anderen Ghettos in der Region war das Ghetto überfüllt, es herrschten Hunger und Krankheiten. Um dort im Mai 1942 Platz für die deutschen Jüdinnen und Juden aus Thüringen und Sachsen zu schaffen, wurden hunderte polnische Jüdinnen und Juden in das Vernichtungslager Majdanek gebracht. Auch fast alle der 513 aus Thüringen deportierten Männer, Frauen und Kinder wurden wenige Monate nach ihrer Ankunft in Bełżyce oder einem Lager in der Region ermordet, nur eine junge Frau überlebte.

Andreas Kahrs studierte in Hamburg und Kraków und promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als Geschäftsführer der NGO what matters liegt sein Schwerpunkt auf Forschungs- und Bildungsprojekten zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Erinnerung an den Holocaust insbesondere in Mittel- und Osteuropa. Seit mehreren Jahren beschäftigt er sich mit der Geschichte der „Aktion Reinhardt“, der systematischen Ermordung der Jüdinnen, Juden und Roma im deutsch besetzten Polen.

Mit der Veranstaltung wird die Reihe „Bücher aus dem Feuer“ zur Erinnerung an die Bücherverbrennung in Erfurt 1933 eröffnet, die der Erinnerungsort Topf & Söhne gemeinsam mit vielen Partnern durchführt.