Vortrag über die erste Deportation von Jüdinnen und Juden aus Thüringen im Mai 1942
Dr. Andreas Kahrs spricht im Erinnerungsort Topf & Söhne
513 Frauen, Männer und Kinder mussten sich am 9. Mai 1942 an Sammelplätzen in ihrer jeweiligen Stadt einfinden und wurden dann mit dem Zug zunächst in die Viehauktionshalle Weimar gebracht und von dort am folgenden Tag in das Ghetto Bełżyce westlich von Lublin verschleppt.
Die polnischen Einwohnerinnen und Einwohner von Bełżyce waren etwa zur Hälfte jüdisch. Wie auch die anderen Ghettos in der Region war das Ghetto überfüllt, es herrschten Hunger und Krankheiten. Um dort im Mai 1942 Platz für die deutschen Jüdinnen und Juden aus Thüringen und Sachsen zu schaffen, wurden hunderte polnische Jüdinnen und Juden in das Vernichtungslager Majdanek gebracht. Auch fast alle der 513 aus Thüringen deportierten Männer, Frauen und Kinder wurden wenige Monate nach ihrer Ankunft in Bełżyce oder einem Lager in der Region ermordet, nur eine junge Frau überlebte.
Andreas Kahrs studierte in Hamburg und Kraków und promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als Geschäftsführer der NGO what matters liegt sein Schwerpunkt auf Forschungs- und Bildungsprojekten zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Erinnerung an den Holocaust insbesondere in Mittel- und Osteuropa. Seit mehreren Jahren beschäftigt er sich mit der Geschichte der „Aktion Reinhardt“, der systematischen Ermordung der Jüdinnen, Juden und Roma im deutsch besetzten Polen.
Mit der Veranstaltung wird die Reihe „Bücher aus dem Feuer“ zur Erinnerung an die Bücherverbrennung in Erfurt 1933 eröffnet, die der Erinnerungsort Topf & Söhne gemeinsam mit vielen Partnern durchführt.