Gedenkstele für Gert Schramm wird eingeweiht

14.04.2026 17:21

Am 18. April, dem 10. Todestag des Schwarzen Buchenwald-Überlebenden Gert Schramm, lädt die Stadt Erfurt um 15 Uhr zur Einweihung einer Gedenkstele für ihn ein. Gert Schramms Sohn Bernd Schramm und der Beigeordnete Mattias Bärwolff sprechen Grußworte.

Erinnerungsort veröffentlicht digitales Archiv zur Debatte um Umbenennung

Foto: Gert Schramm Foto: © Stadtverwaltung Erfurt
Foto: Im September 2023 wurde die Gert-Schramm-Straße in Erfurt eingeweiht. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Die Gedenkstele wird in der Gert-Schramm-Straße 1 errichtet. Sie erinnert daran, dass Gert Schramm im Nationalsozialismus mit 14 Jahren aus rassistischen Gründen inhaftiert wurde und im KZ Buchenwald schwere Zwangsarbeit leisten musste – und sie ehrt ihn als Vorbild, weil er sich zeitlebens gegen Rassismus, Antisemitismus und Rechtsextremismus engagierte und dafür mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

2020 gingen die Initiativen Decolonize Erfurt und Schwarze Menschen in Deutschland mit der Forderung an die Erfurter Öffentlichkeit, das Nettelbeckufer in Gert-Schramm-Ufer umzubenennen. Sie argumentierten, dass Joachim Nettelbeck (1738 – 1824) aufgrund seiner Rolle im transatlantischen Sklavenhandel nicht länger mit einem Straßennamen geehrt werden solle, und schlugen vor, das Ufer dem in dieser Straße geborenen Buchenwald-Überlebenden Gert Schramm zu widmen. Es entstand eine intensive und kontroverse öffentliche Debatte, in der neue wissenschaftliche Erkenntnisse über die Rolle von Joachim Nettelbeck im transatlantischen Sklavenhandel bekannt wurden. In der Kontroverse wurden unterschiedliche Haltungen deutlich, die über den konkreten Fall hinausgehen. Auch wenn das Ufer seinen Namen behielt, wurde mit der Umbenennung einer Nachbarstraße in Gert-Schramm-Straße 2023 erstmals ein Schwarzer Deutscher in Erfurt mit einem Straßennahmen geehrt.

Zeitgleich zur Einweihung der Gedenkstele für Gert Schramm wird ein offenes digitales Archiv auf der Webseite des Erinnerungsortes Topf & Söhne freigeschaltet, das diesen Diskurs mit Beiträgen aus der Wissenschaft, Publikationen der Initiativen, Wortmeldungen von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der Presseberichterstattung dokumentiert. Zu finden ist es ab dem 18. April unter Gert Schramm statt Nettelbeck?.

Das offene Archiv kann als Inspiration für die weitere Auseinandersetzung mit den Dimensionen des transatlantischen Sklavenhandels dienen, der erst kürzlich von der UN-Generalversammlung als „schwerstes Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ anerkannt wurde.