Sonderausstellung „Flüchtlingsgespräche“ eröffnet am Erinnerungsort Topf & Söhne
Mehr Sichtbarkeit für Stimmen von Geflüchteten
Ihre Geschichten von Armut, Gewalt, Vertreibung und Todesangst, aber auch von Hilfe und Rettung, stellen die Frage: Ist die Lage der Flüchtlinge heute nicht in vielem sehr ähnlich wie damals? Angesichts zunehmender Hetze gegen Migrantinnen und Migranten fragen sie auch: Wie kann eine Gesellschaft empathisch bleiben, Menschen in Not helfen und kulturelle und ethnische Vielfalt als Chance begreifen?
Darüber sprechen zur Eröffnung am 27. September um 11 Uhr der Kurator Christian Lehsten mit Maysaa Helwa, Vorsitzende des Ausländerbeirates der Stadt Erfurt, und Prof. Dr. Annegret Schüle, Leiterin des Erinnerungsortes Topf & Söhne. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von Igor Seiji Moriya an der Gitarre.
Hintergrund
Es liegt nur ein Menschenalter dazwischen. 2015 erlebten Christian Lehsten und Solveig Witt, wie Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan zu ihnen kamen. Sie erinnerten sich daran, dass viele Menschen 1944/45 als geflüchtete Kinder in ihre Heimatregion gekommen waren oder von Flüchtlingen abstammen. Damals hatte sich Mecklenburg-Vorpommern rasant verändert. Menschen aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien, viele noch Kinder, verdoppelten die Bevölkerungszahl. Es fehlte an Wohnraum, Nahrung, Arbeit. Und dennoch sagt Irmgard Scholz über das Dorf, in dem sie 1945 als Siebenjährige mit ihrer Familie auf der Flucht vor der sowjetischen Armee strandete: „Für Borkow waren die Flüchtlinge eine Bereicherung.“