Führung zur Deportation der Sinti und Roma aus Erfurt vor 83 Jahren
Thematische Führung im Erinnerungsort Topf & Söhne
Am frühen Morgen des 3. März 1943 verhaftete die Erfurter Polizei zahlreiche Sinti-Familien, darunter viele Kinder. Sie waren seit Jahren in einem Zwangslager am Rasenrain im Erfurter Norden festgehalten, kriminalpolizeilich erfasst und menschenverachtenden „rassenbiologischen“ Untersuchungen ausgesetzt worden. Von dort wurden sie in das Erfurter Polizeipräsidium in der Meister-Eckehart-Straße gebracht. Ihre ganze Habe mussten sie zurücklassen, außer Kleidungsstücken für wenige Tage durften sie nichts mitnehmen. Ihre Ausweispapiere wurden ihnen bei der Festnahme abgenommen. Nach einer zwei Tage dauernden polizeilichen Registrierung wurden die Familien vom Erfurter Nordbahnhof aus in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert, wo sie am 8. März 1943 ankamen.
In Auschwitz-Birkenau hatte die SS einen eigenen Sonderabschnitt für Sinti und Roma eingerichtet, das sogenannte „Zigeunerfamilienlager“. Aufgrund der katastrophalen hygienischen und gesundheitlichen Bedingungen dort starben 70 Prozent der insgesamt etwa 23.000 nach Auschwitz-Birkenau verschleppten Sinti und Roma, unter denen ein Drittel Kinder unter 14 Jahren waren. In einer Vernichtungsaktion in der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 ermordeten SS-Angehörige die im Lager verbliebenen 3.000 Sinti und Roma in den Gaskammern von Auschwitz-Birkenau.