Verfolgen und Aufklären. Flüchtlingsgespräche
Es liegt nur ein Menschenalter dazwischen. 2015 erlebten Christian Lehsten und Solveig Witt, beide in Mecklenburg-Vorpommern zu Hause, wie Kriegsflüchtlinge aus Syrien, Irak und Afghanistan zu ihnen kamen. Sie erinnerten sich daran, dass viele Menschen 1944/45 als geflüchtete Kinder in ihre Heimatregion gekommen waren oder von Flüchtlingen abstammen. Damals hatte sich Mecklenburg-Vorpommern rasant verändert. Menschen aus Ostpreußen, Pommern und Schlesien, viele noch Kinder, verdoppelten die Bevölkerungszahl. Es fehlte an Wohnraum, Nahrung, Arbeit. Und dennoch sagt Irmgard Scholz über das Dorf, in dem sie 1945 als Siebenjährige mit ihrer Familie auf der Flucht vor der sowjetischen Armee strandete: „Für Borkow waren die Flüchtlinge eine Bereicherung.“
In der Ausstellung „Flüchtlingsgespräche“, die vom 27. September bis 1. November 2026 im Erinnerungsort Topf & Söhne gezeigt wird, lassen Lehsten und Witt Irmgard Scholz und drei weitere Menschen von ihrer Flucht 1945 und vier junge Menschen aus einer Asylbewerberunterkunft von ihrer Flucht 2015 erzählen. Ihre Geschichten von Armut, Gewalt, Vertreibung und Todesangst, aber auch von Hilfe und Rettung, stellen die Frage: Ist die Lage der Flüchtlinge heute nicht in vielem sehr ähnlich wie damals? Angesichts zunehmender rechtsextremer Hetze gegen Migrantinnen und Migranten fragen sie auch: Wie kann eine Gesellschaft empathisch bleiben, Menschen in Not helfen und kulturelle und ethnische Vielfalt als Chance begreifen?
Darüber sprach zur Eröffnung am 27. September um 11 Uhr Prof. Dr. Annegret Schüle, Leiterin des Erinnerungsortes Topf & Söhne, mit dem Kurator Christian Lehsten aus Rothen und mit Nader Raslan, Vertreter des Ausländerbeirates der Stadt Erfurt und ehrenamtlich als Vorsitzender des Syrischen Kulturvereins in Erfurt tätig. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung von Igor Seiji Moriya an der Gitarre.
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Blick in die Ausstellung „Flüchtlingsgespräche“ im Erinnerungsort Topf & Söhne Foto: © Stadtverwaltung Erfurt
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Blick in die Ausstellung „Flüchtlingsgespräche“ im Erinnerungsort Topf & Söhne Foto: © Erinnerungsort Topf & Söhne
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Blick in die Ausstellung „Flüchtlingsgespräche“ im Erinnerungsort Topf & Söhne Foto: © Erinnerungsort Topf & Söhne