Gert Schramm statt Nettelbeck?

Das Gedenken an einen schwarzen Überlebenden des KZ Buchenwald und die Straßenumbenennungsdebatte zum Nettelbeckufer

Auf der linken Seite Portait eines Mannes in schwarz weiß, auf der rechten Seite Zeitungsartikel liegend
Foto: Gert Schramm, Überlebender des Konzentrationslagers Buchenwald / Zeitungsartikel zur kontroversen Debatte um die Umbenennung des Nettelbeckufers in Erfurt Foto: © Juliane Werner, Sammlung Gedenkstätte Buchenwald, 2008 / Stadtverwaltung Erfurt

Eine Kontroverse um Geschichte und Erinnerung im öffentlichen Stadtraum

Soll der Kolonialist Joachim Nettelbeck (1738-1824) weiterhin mit einem Straßennamen geehrt werden oder stattdessen der Buchenwald-Überlebende Gert Schramm diese Ehre erhalten? Darüber wurde seit 2020 in Erfurt eine intensive öffentliche Debatte geführt, ausgelöst durch die Forderung der Initiativen Decolonize Erfurt und Schwarze Menschen in Deutschland, das Nettelbeckufer in Gert-Schramm-Ufer umzubenennen.

Im Ergebnis behielt das Ufer seinen Namen, doch die Debatte hat die Erinnerungskultur in der Stadt verändert. Mit der Umbenennung einer angrenzenden Brücke in Gert-Schramm-Straße wurde erstmals eine Straße nach einem Schwarzen Deutschen in der Stadt benannt. Eine auf einem Schülerprojekt basierende Gedenkstele erinnert dort an Gert Schramm und führt zu weiteren Informationen hier auf der Seite.

Gleichzeitig wurden wissenschaftliche Erkenntnisse über die Rolle von Joachim Nettelbeck im transatlantischen Sklavenhandel erarbeitet. Es trafen Argumente zum Umgang mit seiner Geschichte aufeinander, in denen unterschiedliche Haltungen deutlich wurden, die über den konkreten Fall hinausgehen. Das offene Archiv dokumentiert diesen erinnerungskulturellen Diskurs mit Beiträgen aus der Wissenschaft, Publikationen der Initiativen, Wortmeldungen von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und der Presseberichterstattung.