Eva Umlauf: Grußbotschaft zur Wiedereröffnung der Dauerausstellung „Techniker der ‚Endlösung‘. Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“
Verehrte Gäste, liebe Freunde, sehr geehrte Frau Schüle!
Wie viele Gedenkstätten, die in Deutschland an die Verbrechen der Nationalsozialisten erinnern, ist auch der Erinnerungsort Topf & Söhne ein erkämpfter Ort: Über Jahre hinweg haben Bürgerinnen und
Bürger sich dafür eingesetzt, die Spuren des Schreckens, die sich mit dem Namen der Firma Topf & Söhne verbanden, sichtbar werden zu lassen. Auch heute noch gilt diesen Menschen unser Dank, der Dank der Überlebenden, in besonderem Maße: Bezeugt doch die Ausstellung und die Arbeit des Erinnerungsortes ein menschliches Schreckensszenario, das jedem Menschen, der verstehen will, einen Schauder über den Rücken jagt und Tränen in die Augen treibt: Wie aus beruflicher Kompetenz und finanziellem Gewinnstreben ein bürgerliches deutsches Familienunternehmen in ein Komplott von staatlich organisiertem Massenmord hineingerät, allzeit willfährig zur Diensten steht und technisch sein Bestes gibt, das haben Häftlinge in Auschwitz-Birkenau tagtäglich beobachten dürfen, wenn die Flammen aus den Schornsteinen der Krematorien schlugen und ihre Familien ihr Grab in den Lüften fanden, wie es der Dichter Paul Celan formuliert hat.
Ich habe einmal, liebe Freunde, eine Art Prüfprotokoll nachgelesen, das von Mitarbeitern der Firma Topf & Söhne vor Ort in Auschwitz aufgeschrieben und der SS übergeben worden ist. Nichts in dem Dokument verrät, was Auschwitz war, was dort vor sich ging: Und auch deswegen ist der Erinnerungsort, der jetzt 15 Jahre besteht, von so großer Bedeutung: Er spricht die Wahrheit aus und das in einer Zeit, in der viele schon wieder versuchen, der Wahrheit an die Gurgel zu gehen und sie zum Schweigen zu bringen.
Der Erinnerungsort und seine Erweiterung ist eine Institution, die Erfurt und Thüringen zur Ehre gereicht und ich freue mich besonders, dass ein großer Teil der Besucherinnen und Besucher junge Menschen sind. Lassen Sie mich, verehrte Frau Dr. Schüle, noch zwei Sätze hinzufügen: Ich
danke Ihnen im Namen des Internationalen Auschwitz Komitees für die Freundlichkeit und Gastfreundschaft, die sie über viele Jahre hinweg Éva Fahidi, der ungarisch-jüdischen Auschwitz-Überlebenden, erwiesen haben. Wir wissen, dass dies für Éva eine große Freude war und sie sich in
Erfurt immer sehr wohl gefühlt hat: Gerade, weil es den Erinnerungsort gab und die Menschen, die seine Arbeit prägten.
Und zum zweiten: Ich danke Ihnen für die Ausstellung "Wohin bringt ihr uns?", die die „Euthanasie“-Verbrechen im Nationalsozialismus aufgreift und darstellt.
Mit großer Anerkennung für Ihr wichtiges und berührendes Engagement grüße ich Sie alle sehr herzlich.
Wir wissen: Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar!
Ihre Dr. Eva Umlauf, Auschwitz-Überlebende und Präsidentin des Internationalen Auschwitz Komitees