Transit Ghettos Bełżyce – 84 Jahre nach der ersten großen Deportation von Jüdinnen und Juden aus Thüringen

05.05.2026 19:00 – 05.05.2026 21:00

Vortrag von Dr. Andreas Kahrs, Historiker und Geschäftsführer der NGO what matters

Drei Personen knien auf dem Boden und schreiben Namen auf die Straße
Am 9. Mai 2022, 80 Jahre nach der ersten großen Deportation, schrieben Menschen die Namen aller Jüdinnen und Juden aus Thüringen, die Opfer im Holocaust wurden, auf den Erfurter Bahnhofsvorplatz. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt, Dirk Urban
05.05.2026 21:00

Transit Ghettos Bełżyce – 84 Jahre nach der ersten großen Deportation von Jüdinnen und Juden aus Thüringen

Genre Veranstaltung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Erinnerungsort Topf & Söhne
Veranstaltungsort Erinnerungsort Topf & Söhne, Sorbenweg 7, 99099 Erfurt

Der Beginn des Holocaust in Erfurt und Thüringen am 9./10. Mai 1942

Die erste große Deportation der Jüdinnen und Juden vor 84 Jahren am 9./10. Mai 1942 war der Beginn des Holocaust in Erfurt und Thüringen. Nach Kriegsbeginn am 1. September 1939 waren im preußischen Erfurt und im Land Thüringen wie überall im Deutschen Reich die Jüdinnen und Juden gezwungen worden, ihre Wohnungen zu verlassen und getrennt von nichtjüdischen Nachbarn in Judenhäusern" unter schlechten Bedingungen zu leben. Dort erreichte sie wenige Tage vor der Deportation die Ankündigung, sich am 9. Mai 1942 an Sammelplätzen in ihrer jeweiligen Stadt einfinden zu müssen. Mit dem Zug wurden sie nach Weimar gebracht, dort in einer Viehauktionshalle festgehalten und am 10. Mai zusammen mit Jüdinnen und Juden aus Sachsen in ein Ghetto im polnischen Bełżyce, einer Landgemeinde westlich von Lublin, verschleppt.

Die polnischen Einwohnerinnen und Einwohner von Bełżyce waren etwa zur Hälfte jüdisch. Wie auch die anderen Ghettos in der Region war das Ghetto Bełżyce überfüllt, es herrschten Hunger und Krankheiten. Um dort im Mai 1942 Platz für die deutschen Jüdinnen und Juden aus Thüringen und Sachsen zu schaffen, wurden hunderte polnische Jüdinnen und Juden in das Konzentrationslager Majdanek gebracht. Auch fast alle der 513 aus Thüringen deportierten Männer, Frauen und Kinder wurden wenige Monate nach ihrer Ankunft in Bełżyce oder einem Lager in der Region ermordet. Nur eine junge Frau, Hannelore Wolf, nach Heirat und Emigration in die USA Laura Hilmann, überlebte.

Andreas Kahrs studierte in Hamburg und Kraków und promovierte an der Humboldt-Universität. Als Geschäftsführer der NGO what matters liegt sein Schwerpunkt auf Forschungs- und Bildungsprojekten zur Bekämpfung von Antisemitismus und zur Erinnerung an den Holocaust insbesondere in Mittel- und Osteuropa. Seit mehreren Jahren beschäftigt er sich mit der Geschichte der Aktion Reinhardt", der systematischen Ermordung der Jüdinnen, Juden und Roma im deutsch besetzten Polen.

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Bücher aus dem Feuer