Geteiltes Schweigen. Die Auseinandersetzung mit den "Euthanasie" – Verbrechen in beiden deutschen Staaten

16.06.2022 19:00 – 16.06.2022 21:00

Jede/-r achte erwachsene Deutsche, so die Berechnungen des Historikers Götz Aly, ist direkt mit einem Menschen verwandt, der zwischen 1940 und 1945 ermordet wurde, weil er als "erbkrank", als verrückt, unnormal, chronisch krank, gemeingefährlich oder arbeitsunfähig galt.

Postkarten mit unterschiedlichen Aufdrucken liegen in einer Reihe.
Bild: © Stadtverwaltung Erfurt
16.06.2022 21:00

Geteiltes Schweigen. Die Auseinandersetzung mit den "Euthanasie"-Verbrechen in beiden deutschen Staaten

Genre Veranstaltung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Erinnerungsort Topf & Söhne
Veranstaltungsort Erinnerungsort Topf & Söhne, Sorbenweg 7, 99099 Erfurt

Vortrag von Dr. Götz Aly, Historiker

Moderation: Peter Reif-Spirek

Ein "uneingestandenes, nirgends dokumentiertes und das Gewissen erleichterndes Komplizentum" von Millionen Deutschen habe das nationalsozialistische Regime zu den Morden an Menschen mit geistigen, psychischen oder körperlichen Beeinträchtigungen ermutigt, so die These von Götz Aly. Umgekehrt zeigt er auf, dass psychisch kranke Menschen in Anstalten dann eine größere Chance hatten zu überleben, wenn sich ihre Familien um sie kümmerten.

Der passiven Duldung der Krankenmorde durch die Gesellschaft folgte nach 1945 das geteilte Schweigen in beiden deutschen Staaten. Bis heute hält die Scham an, die Angehörige dazu bringt, ihre ermordeten Verwandten zu verschweigen. In seinem Vortrag zeigt Götz Aly die Nachgeschichte der "Euthanasie"-Verbrechen auf und analysiert die Gemeinsamkeiten und Unterschiede der gesellschaftlichen Auseinandersetzung in Ost und West. Er leitet daraus die Forderung ab, diese Menschen wie andere Verfolgte des Naziregimes mit vollem Namen zu erinnern. Nach langjährigen Diskussionen veröffentlichte das Bundesarchiv  2018 die Namen jener Ermordeten der sogenannten "Aktion T4", zu denen das Archiv Patientenakten besitzt. Damit sind 30.000 von rund 70.000 Opfern dieser ersten zentral geplanten Phase des Massenmords  veröffentlicht. Götz Aly fordert ein zentrales Register, in dem alle Namen der "Euthanasie"-Opfer veröffentlicht werden. Nur so könnten wir endlich erfahren, ob in unserer eigenen Familie auch Nazi-Opfer gewesen seien.

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In Zusammenarbeit mit

Landeszentrale für politische Bildung Thüringen

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe Bücher aus dem Feuer

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