Tagesprojekt: Von Opfern, Mitläufern, Mitwissern und Mittätern im nationalsozialistischen Erfurt

Dauer: 5 Stunden

Schwarz-Weiß-Fotografie, eine ältere Frau und zwei Mädchen sitzend
Foto: Else Cars und ihre Töchter Ruth und Hanne-Lore, undatierte Aufnahme Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Informationen

Wie können Handlungsspielräume im unmittelbaren Umfeld im Sinne von Mitmenschlichkeit erkannt und genutzt werden? Um dafür zu sensibilisieren, werden im Seminar zwei eindrückliche historische Beispiele kombiniert. Die Ausstellung "Der Gelbe Stern. Die Erfurter Familien Cars und Cohn" und die Dauerausstellung "Techniker der 'Endlösung'" am Erinnerungsort zeigen, wie das nationalsozialistische Verbrechensregime auch durch das alltägliche Handeln einzelner oder Gruppen von Menschen ermöglicht wurde, die nicht unmittelbar zum Terror- und Verfolgungsapparat wie SS, SA, Gestapo etc. gehörten.

Die Erfurter Familien Cars und Cohn ähnelten sich in ihrer Konstellation. Die Familienväter Max Cars und Max Cohn waren Juden, ihre Frauen gehörten nicht zur jüdischen Religionsgemeinschaft. Nach 1933 mussten alle Familienmitglieder die antisemitischen Schikanen erdulden, die zur Staatsdoktrin geworden waren. Für eine gewisse Zeit waren sie durch die nichtjüdische Ehefrau bzw. Mutter vor dem Schlimmsten geschützt. Während die Familie Cars überlebte, wurden Max, Helmut und Rosemarie Cohn in den nationalsozialistischen Lagern ermordet. Sie waren durch Nachbarn und Arbeitskollegen ohne Not denunziert worden.

Die Lernerfahrung, die dieses Schicksal der Jugendlichen und ihres Vaters ermöglicht, wird vertieft durch die Kombination mit der Ausstellung Techniker der „Endlösung“. Anhand von Schlüsseldokumenten setzen sich die Teilnehmer/-innen mit dem Handeln der Unternehmer und Techniker von Topf & Söhne auseinander, die in eigener Initiative Leichenverbrennungsöfen für die Konzentrations- und Vernichtungslager konstruierten und technische Lösungen für die Optimierung des Gasmords in Auschwitz-Birkenau entwickelten.

In der Auseinandersetzung mit diesen Negativbeispielen wird deutlich, wie Einzelne ihre Handlungsspielräume im gewöhnlichen Alltag gegen und nicht für andere Menschen nutzten. Damit befähigt das Seminar, die zentrale Bedeutung von solidarischem Handeln zu erkennen und auf das eigene Umfeld zu übertragen.

Das Angebot ist kostenfrei. Möchten Sie die Arbeit des Erinnerungsortes unterstützen, bitten wir um eine Spende.

Partner: Netzwerk „Jüdisches Leben Erfurt“

Anmeldung von Gruppen

Gruppen werden gebeten, sich anzumelden. Die Gruppe kann aus maximal 15 Personen bestehen. Das Angebot eignet sich für Gruppen der Jugend- und Erwachsenenbildung. Interessierte Lehrkräfte erhalten auf Anfrage Hinweise, wie das Projekt in den (fächerübergreifenden) Unterricht eingebunden werden kann.

Um das Angebot auf den Kenntnisstand der Teilnehmer/-innen, das Alter und die Gruppengröße abzustimmen, möchten wir Sie bitten, die detaillierte inhaltliche Programmgestaltung telefonisch mit unseren Mitarbeiterinnen abzusprechen.

Hygienekonzept für Seminare

Bitte beachten Sie bei einem Besuch des Erinnerungsortes die aktuell geltenden Hygieneregeln.