Dankesworte von Reinhard Schramm zur Jochen-Bock-Preisverleihung am 28. Juni 2019

28.06.2019 19:30

"Mein Einsatz insbesondere gegen Antisemitismus und Antiziganismus wird durch den Preis weiter angespornt. Dieser Einsatz ist leider zunehmend erforderlich."

Ein älterer Mann steht hinter einem Rednerpult und spricht in ein Mikrofon.
Foto: Preisträger Reinhard Schramm Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Ich möchte mich bei den Organisatoren der nunmehr dritten Verleihung des Jochen-Bock-Preises herzlich bedanken, bei dem Erinnerungsort Topf & Söhne und seinem Förderkreis, bei der Martin-Niemöller-Stiftung und der Stadt Erfurt. Besonderer Dank gilt Frau Dr, Annegret Schüle, Herrn Rüdiger Bender und ihren Mitstreitern, die den Erinnerungsort Topf & Söhne zu einem bedeutenden Zentrum der Erinnerungskultur und des Engagements gegen Antisemitismus, Antiziganismus und alle Formen gruppenbezogener Menschlichkeit entwickelt haben.

Heute wurde ich zusammen mit Herrn Propst Heino Falcke und Frau Irmela Mensah-Schramm mit dem Jochen-Bock-Preis geehrt. An dieser Stelle bedanke ich mich auch bei dem Laudator Herrn Rabbiner Prof. Walter Homolka, dem Vorsitzenden der Union progressiver Juden und Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs. Der Jochen-Bock-Preis erfüllt mich mit Stolz, auch wenn ich in meinem Engagement weniger Mut als Jochen Bock und seine Gefährten aufgebracht habe. Mein Einsatz insbesondere gegen Antisemitismus und Antiziganismus wird durch den Preis weiter angespornt. Dieser Einsatz ist leider zunehmend erforderlich.

Erlauben Sie mir, die gegenwärtig gefährlichste Form des Antisemitismus beim Namen zu nennen: Es ist der Hass auf den jüdischen Staat. Israel wurde ein Jahrzehnt zu spät gegründet, so dass vor allem nach der Pogromnacht des Jahres 1938 unzählige Juden vergeblich um Visa und ihr Überleben bettelten. Erst nach der Ermordung der Mehrheit der europäischen Juden wurde durch die Vereinten Nationen eine Heimstatt für das jüdische Volk möglich. Sie wurde zugleich zur Lebensversicherung der Juden außerhalb Israels. Juden in Not müssen dank Israel nie wieder um Visa betteln. Juden sind heute durch den wachsenden Nationalismus wieder in Bedrängnis, selbst in Ländern wie Frankreich. Deshalb ist Israel-bezogener Antisemitismus und die damit verbundene Infragestellung der Existenzberechtigung des jüdischen Staates für uns so gefährlich. Die Antisemiten hetzen auf Israel, aber meinen jeden Juden. Das gilt auch für die antisemitische BDS-Bewegung, die zu Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen den jüdischen Staat aufruft und deren Gründer die Vernichtung Israels anstreben. Zwölf zum Teil bekannte deutsche Protestanten haben sich in einem Offenen Brief an die Leitung der Evangelischen Kirche in Deutschland gegen den Bundestagsbeschluss vom 5. Juni 2019 gewandt, der die BDS-Bewegung als antisemitisch verurteilt. Ich bitte die kirchlichen Vertreter, nicht die BDS-Bewegung zu verteidigen, sondern solidarisch mit Israel zu sein. Ob Kritik an der Politik Russlands, der USA, Chinas, Europas, der Arabischen Liga oder Israels, wechseln Sie nicht Ihre Maßstäbe.

Schalom!