„Das verlorene Ich“ – Zeitzeugengespräch mit Eva Stocker

12.11.2019 19:00 – 12.11.2019 21:00

1944 wurde sie als Kleinkind aus einem Deportationszug gereicht und von einem Bahnbeamten in ein Waisenhaus gebracht. Der Zug fuhr weiter nach Auschwitz – Eva Stocker überlebte. Als Erwachsene machte sie sich auf die Suche nach ihrer eigenen Geschichte und beschäftigte sich gleichzeitig mit der Frage: Wie leben jene Menschen weiter, die den Holocaust überlebt haben? Erstmals zeigt sie im Erinnerungsort Ausschnitte aus ihrem Dokumentarfilm „Das 2. Leben“, der sich dieser Thematik widmet.

Portrait einer älteren Frau mit dunklen Haaren und roten Lippen. Im Hintegrund stehen Pflanzen auf einem Regal.
Eva Stocker Foto: © Privat
12.11.2019 21:00

„Das verlorene Ich“ – Zeitzeugengespräch mit Eva Stocker

Genre Veranstaltung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Erinnerungsort Topf & Söhne
Veranstaltungsort Erinnerungsort Topf & Söhne, Sorbenweg 7, 99099 Erfurt

„Das verlorene Ich“ – Zeitzeugengespräch mit Eva Stocker

Ihr Leben, ihr erinnertes Leben, beginnt auf dem Bahnhof von Košice, einer Stadt, die heute zur Slowakei gehört und bis 1945 ungarisch war. Genau dort entstand die erste Notiz über sie, verfasst von einem Bahnbeamten, der das Kind 1944 aus einem Zug entgegennahm und zum Waisenhaus brachte…

Wer dieses Kind war, woher es kam – ist nicht bekannt. Sicher ist nur, dass diese Aktion dem kleinen Mädchen das Leben rettete. Zwei bis sechs Züge sollen es täglich zwischen April und Mai gewesen sein, die die Grenzstation Košice erreichten. Ihr Ziel war Auschwitz. Allein am 25. Mai 1944 passierten in fünf Transporten 16.000 Menschen den Bahnhof in Košice.

Das kleine Mädchen ist heute: Eva Stocker. Mit 18 Jahren hat sie sich auf die Suche gemacht, das eigene Ich zu erkunden. Wo kam sie her? Wie lautet ihr eigentlicher Name? Wer waren die Eltern? Sie studierte Pädagogik mit dem Schwerpunkt Literatur, Kunst und Psychologie, erwarb ein Diplom und studierte nochmals an der Filmhochschule in Budapest. Beide Berufe sollten ihren Lebensinhalt prägen. Ein Thema hat die Filmautorin und Regisseurin in den vergangenen Jahrzehnten am meisten beschäftigt: Wie leben jene Menschen weiter, die den Holocaust überlebt haben?

Eva Stocker nennt es „Das 2. Leben“. So heißt auch der Dokumentarfilm, an dem sie seit mehreren Jahren arbeitet. Sie begleitet regelmäßig mit eigener Kamera Überlebende im Alltag und bei Reisen an ehemalige Orte der Shoah. Sie hat unzählige Überlebende getroffen und gesprochen, mehr als 20 Personen aus acht Ländern hat sie aus einer Nahperspektive porträtiert. Darunter Zwillinge, die dem Lagerarzt Mengele zur Verfügung stehen mussten, aber auch viele andere, vor allem ungarische, jüdische Menschen.

Sie trifft sie in privaten Momenten, bekommt Zugang zu den intimsten Fragen. Sie begleitet sie bei öffentlichen Zeitzeugengesprächen, Diskussionen und Schülerbegegnungen.

Erstmals wird Eva Stocker öffentlich Filmausschnitte zeigen und dabei selbst auf einem Podium sein. "Ich möchte anhand meiner Arbeit zeigen, wie es diese Menschen geschafft haben, bei Null zu beginnen, neuen Mut und Vertrauen zurückzugewinnen und was sie heute über das Leben von damals berichten, auch über das, was sie aus unbeschwerten Kindheitstagen erinnern."

Als ungarische Filmregisseurin lebt und arbeitet Eva Stocker in der Schweiz und in Budapest. Oft besucht sie Schulen, debattiert mit Jugendlichen über Flüchtlinge, Stigmatisierung aufgrund einer Religion oder anderen Hautfarbe oder was es heißt, Mobbing ertragen zu müssen. Als Filmautorin widmete sie sich Produktionen für schweizerische und ungarische Fernsehsender zu den Themen Umweltschutz, Energie und Bildung, erstellte Porträts von Universitäten und Städten und erarbeitete Bildungsmagazine für Lehrpläne.

In Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung e. V. Politisches Bildungsforum Thüringen

Eine Veranstaltung im Rahmen der 27. Thüringer Tage der jüdisch-israelischen Kultur

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