Antifaschismus und Legendenbildung in der DDR – das Beispiel des Erfurter Kommunisten Paul Schäfer

28.08.2018 13:30 – 28.08.2018 17:30

Fortbildung für Lehrkräfte und Multiplikatoren (Thillm-Nr. 198200901)

Eine Frau liest an einem Mikrofon aus einem Buch
Foto: © Stadtverwaltung Erfurt
28.08.2018 17:30

Antifaschismus und Legendenbildung in der DDR – das Beispiel des Erfurter Kommunisten Paul Schäfer

Genre Veranstaltung
Veranstalter Stadtverwaltung Erfurt, Erinnerungsort Topf & Söhne in Kooperation mit dem Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien
Veranstaltungsort Erinnerungsort Topf & Söhne, Sorbenweg 7, 99099 Erfurt

Referentinnen: Dr. Annette Leo, Historikerin und Publizistin und Rebekka Schubert, Gedenkstättenpädagogin Erinnerungsort Topf & Söhne

Antifaschismus gilt als zentraler Gründungsmythos der DDR, er wurde zur Staatsdoktrin erklärt. Alle Nazis waren in den Westen geflohen, so die offizielle Darstellung der SED-Führung. Mittels der Mythen des antifaschistischen Widerstands wurde die Arbeiterklasse von dem Verdacht freigesprochen, sie hätte zu nicht geringen Teilen die NSDAP unterstützt. Auch sollte verschleiert werden, in welchem Ausmaß nationalsozialistische Funktionäre im SED-Staat aufsteigen konnten.

Neben der Identitätsstiftung diente der antifaschistische Gründungsmythos immer auch als Herrschaftsinstrument der SED im Innern. So wurde der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 als "faschistischer Putsch" denunziert und mithilfe sowjetischer Panzer niedergeschlagen.

Kernerzählung des antifaschistischen Gründungsmythos war der Widerstand und das Opfer der Kommunisten. Wie abenteuerlich Legenden entstanden und aufrechterhalten wurden, zeigt auf einmalige Weise die Lebensgeschichte und Verehrung des Erfurters Paul Schäfer.

Im ersten Teil der Fortbildung geht die Historikerin und Publizistin Annette Leo auf den antifaschistischen Gründungsmythos der DDR ein. In einer kritischen und differenzierten Analyse spricht sie über dessen Entstehung und Entwicklung. Sie stellt seine Bedeutung für die SED-Herrschaft, für die Bindungskräfte in der Gesellschaft sowie für die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus dar.

Im anschließenden Rundgang durch die Ausstellung "Die zwei Tode des Paul Schäfer" nimmt die Spurensuche in den historischen Quellen einen zentralen Platz ein. Welche Bedeutung hatte die Legende von Paul Schäfer als Opfer des Faschismus in der DDR? Wie entstand sie und wer hatte ein Interesse an ihrer Aufrechterhaltung? Wer wusste vom wahren Tod Paul Schäfers in Moskau? Die Ausstellung bietet mit ihrer Quellendichte viele Möglichkeiten für den Geschichtsunterricht sowie für fächerübergreifende
und projektorientierte Formate. Die Vorstellung der Angebotsformate und Potenziale einer außerschulischen Exkursion beschließt die Fortbildung.