Robert Klüsener: Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung "Un-er-setz-bar" in Gotha

27.01.2014 11:00

"Im Bildungszentrum und der Verwaltungsfachhochschule werden diese Zeugnisse insbesondere von den vielen jungen Menschen wahrgenommen, die hier für ihre Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung des Freistaats Thüringen ausgebildet werden."

Robert Klüsener, stellvertretender Rektor der Thüringer Verwaltungsfachhochschule

Farbfoto, älterer Mann am Mikrofon
Foto: Dr. Robert Klüsener, stellvertretender Rektor Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Sehr geehrte Damen und Herren,

zur Eröffnung der Wanderausstellung "Un-er-setz-bar. Begegnung mit Überlebenden" heiße ich Sie alle hier in der Aula des Bildungszentrums der Thüringer Landesverwaltung in Gotha willkommen.

"Stets gern für Sie beschäftigt …"
mit dieser Floskel schloss die Firma Topf & Söhne ihre Korrespondenz mit ihrem Auftraggeber, der SS-Bauleitung ab. Diese SS-Bauleitung setzte in den Konzentrations- und Vernichtungslagern des sog. Dritten Reichs Krematoriumsöfen von Topf & Söhne ein.

"Stets gern für Sie beschäftigt …"
findet sich heute auch als Beschriftung auf dem Hauptgebäude des früheren Fabrikgeländes der Firma Topf & Söhne in Erfurt. Ich besuchte die Gedenkstätte vorletzte Woche in Vorbereitung auf die heutige Ausstellungseröffnung. Die Ausstellung gedenkt der Deportierten und Ermordeten und ehrt das Vermächtnis der Überlebenden. In den Vernichtungslagern für den Völkermord an  europäischen Juden, Sinti und Roma und weiteren Opfern errichteten Ingenieure von Topf & Söhne die Verbrennungsöfen und die Lüftungstechnik für die dortigen Gaskammern. Für mich besonders erschütternd war die Feststellung, dass sich Ingenieure finden konnten, die die industrielle Vernichtung von Menschenleben als Auftrag, als Arbeit, als technologische Herausforderung für sich selbst begriffen.

Der Beantwortung der Frage, wie solche Verbrechen geschehen konnten und wie eine Wiederholung solcher Verbrechen in Zukunft verhindert werden kann, muss sich jede Generation neu stellen. Deshalb begrüße ich, dass die durch Mitarbeiter der Gedenkstätte erarbeitete Ausstellung hier im Bildungszentrum der Thüringer Landesverwaltung in Gotha präsentiert wird. Insbesondere Zeitzeugen der nationalsozialistischen Diktatur können Antworten auf die Fragen nach dem Warum geben. Sie können über Verfolgung, Widerstand und Rettung berichten.

Im Bildungszentrum und der Verwaltungsfachhochschule werden diese Zeugnisse insbesondere von den vielen jungen Menschen wahrgenommen, die hier für ihre Tätigkeit in der öffentlichen Verwaltung des Freistaats Thüringen ausgebildet werden. Zudem finden zahlreiche Lehrgänge für Mitarbeiter der öffentlichen  Verwaltung des Freistaats statt, außerdem stehen die Räumlichkeiten interessierten Bürgern offen. Deshalb ist hier der richtige Ort für diese Ausstellung.

In meiner täglichen Arbeit mit Studierenden und Fortbildungsteilnehmern lege ich besonderen Wert darauf, Errungenschaften wie Rechtsstaat, Demokratie und Menschenrechte nicht nur vorzutragen, sondern sie den Hörer so zu vermitteln, dass sie diese Werte verinnerlichen und dafür auch aktiv eintreten, sofern Bedrohungen sichtbar werden. Diese Ausstellung leistet einen sehr wichtigen Beitrag, um diese innerliche Haltung zu festigen.

"Stets gern für Sie beschäftigt …"
sollte uns Mitarbeitern der öffentlichen Verwaltung Mahnung sein, dass nicht der effiziente Befehlsempfänger ohne moralisches Gewissen, sondern der kompetente und verantwortungsvolle, mitunter auch kritische Mitarbeiter das Ideal eines Verwaltungsmitarbeiters sein muss, der das aufrechte und gerade Rückgrat eines starken Staates bildet.

Schließen möchte ich mit einem Zitat von Frau Esther Bejarano, die zu den Überlebenden eines Vernichtungslagers zählt und deren Schicksal in der Ausstellung aufgearbeitet worden ist. Sie sagte:

Wenn man aber weiß, was damals geschah und warum das geschah, dann habe ich die Hoffnung, dass so etwas nie wieder passieren darf.

Meine Damen und Herren, wir sollten gemeinsam nicht nur hoffen, sondern ich finde, wir alle haben die moralische Verpflichtung, alles dafür zu tun, damit so etwas nie wieder passieren kann.

Vielen Dank!