Erster Preis beim Architekturwettbewerb „eins zu eins - Ausgezeichnete Bauten in Thüringen 2011‟ des Bundes Deutscher Architekten

31.05.2011 10:00

Zum ersten Mal lobte der Bund Deutscher Architekten (BDA) 2011 den thüringenweiten Wettbewerb „eins zu eins‟ aus. Eingereicht wurden 35 Arbeiten.

„Neuer Weg des Erinnerns und Mahnens‟

In der rechten Bildhälfte im Hintergrund: Hausansicht mit Schriftzug "Stets gern für Sie beschäftigt,..." an der HauswandIn der linken Bildhälfte im Vordergrund fünf sehr nahe nebeneinander stehende Einzelstelen mit Fluchtlinien zur Bildmitte. Selber Schriftzug über Einzelstelengrenze hinweg wie an der Hauswand
Foto: Der Erinnerungsort Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma J. A. Topf & Söhne Foto: © Stadtverwaltung Erfurt, Kastner Pichler Architekten

Das Architekturbüro Kastner Pichler Architekten erhielt für die Gestaltung des Erinnerungsortes Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz einen der ersten Preise. Die Urkunden und Glückwünsche nahmen am Montag, dem 30.5., die städtischen Vertreter, die Leiterin des Erinnerungsortes, Dr. Annegret Schüle, der Kulturdirektor, Tobias J. Knoblich und der Leiter des Hochbauamtes, Karl Mülders, zusammen mit dem Architekt, Konstantin Pichler - ter Horst, entgegen.

Ihre Entscheidung für einen der ersten Preise begründet die Jury wie folgt:

„Im heute noch erhaltenen Verwaltungsgebäude des Erfurter Ofenfabrikanten Topf wurden die Verbrennungsöfen der nationalsozialistischen Konzentrationslager konstruiert. Für die Einrichtung des Gebäudes als Gedenkstätte haben die Kölner Architekten Jochem Kastner und Konstantin Pichler-ter Horst zunächst die Räume von späteren Einbauten befreit. Die originale Bausubstanz und Einbauten der Entstehungszeit wurden soweit wie möglich freigelegt und als Exponate konserviert. Die Räume erhielten durchgängig einen neuen Boden, der eine farbliche Einheit mit den Ausstellungseinbauten bildet. Raumhohe Durchgänge leiten die Besucher zeichenhaft durch die Ausstellung, die in den ehemaligen Zeichensälen und Arbeitszimmern eingerichtet ist. Die einheitliche Gestaltung von Gedenkort und Ausstellungsarchitektur schafft im Zusammenwirken mit einem diffusen Licht, das durch die transluzent beschichteten Fenster einfällt, eine alles umgreifende befremdliche Atmosphäre, die sowohl ein Gefühl wahrnehmender und erinnernder Konzentration, wie auch eine wahrnehmbare kritische Distanz zum historischen Geschehen erzeugen kann. Die Ausstellungsinstallationen und die skulpturalen Eingriffe der Architekten auf dem ehemaligen Betriebsgelände – unter anderem ein Stahlgussmodell der ehemaligen Werksanlagen -– beschreiten einen neuen Weg des Erinnerns und Mahnens jenseits der tradierten Gedenkstättenarchitektur.‟