Deutsch-jüdische Geschichte und Gegenwart in Erfurt

Dauer: 1 oder 2 Tage. Tages- oder Mehrtagesseminar zur deutsch-jüdischen Geschichte in Erfurt zwischen kulturellem Reichtum und den tiefsten Abgründen gewollter, geplanter und technisch ungesetzter Vernichtung. Geeignet für Jugendliche ab der 9. Klasse und Erwachsene

Partner: Netzwerk "Jüdisches Leben Erfurt"

Foto: Die Alte Synagoge Erfurt ist die älteste bis zum Dach erhaltene Synagoge in Mitteleuropa. Foto: © Stadtverwaltung Erfurt / Atelier Papenfuß

Informationen

Das Seminar ermöglicht eine Spurensuche an historischen Orten und originalen Objekten, die Zeugnis von der wechselvollen jüdischen Geschichte seit dem 11. Jahrhundert in Erfurt ablegen. Durch den Blick auf den Beitrag von Jüdinnen und Juden für die Entwicklung der Stadt wird eine Reduktion auf ihre Opferrolle vermieden. Deshalb werden immer wieder Perspektivwechsel zwischen der jüdischen Minderheit und der nicht-jüdischen Mehrheitsgesellschaft vorgenommen.

In der Alten Synagoge lernen die Teilnehmenden die Anfänge jüdischen Lebens in Erfurt kennen und erfahren vom nachbarschaftlichen Miteinander von Menschen jüdischen und christlichen Glaubens, das über Jahrzehnte in Erfurt möglich schien. Das Pogrom von 1349, das die jüdische Gemeinde vernichtete, macht jedoch den Antijudaismus des Mittelalters sowie die Feinbild-Konstruktion der christlichen Mehrheitsgesellschaft in seiner tödlichen Konsequenz sichtbar.

Eine Stadtführung spannt den Bogen vom Aufblühen der zweiten jüdischen Gemeinde im 15. Jahrhundert bis zum beginnenden rassistischen Antisemitismus und dessen Auswirkungen auf die Erfurter Gesellschaft im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert.

Im Erinnerungsort Topf & Söhne wird die Ermordung von Jüdinnen und Juden aus der Perspektive der Mittäter, Mitwisser und Dulder beleuchtet. Die kritische Auseinandersetzung mit den Entscheidungen und Handlungen der Firmeninhaber und Beschäftigten bei Topf & Söhne zeugt, wie die Beteiligung an den nationalsozialistischen Verbrechen in den Firmenalltag integriert war.

Im Zwei-Tagesprogramm besteht nach Absprache die Möglichkeit, sich mit dem jüdischen Leben in Erfurt nach 1945 und nach 1989 auseinanderzusetzen. Die Teilnehmenden besuchen die Neue Synagoge und erhalten dort eine Einführung zum Gemeindeleben heute.

Die Auseinandersetzung mit der 900-jährige deutsch-jüdische Geschichte Erfurts in diesem thematisch vielfältigen Seminar regt zum Nachdenken darüber an, wie eine menschliche und demokratische Kultur gefördert und erhalten werden kann. Die empfohlene Dauer des Programms beträgt zwei Tage. Eine verkürzte Version von einem Tag ist möglich.

Veröffentlichungen

Veröffentlichungen

Anmeldung von Gruppen

Am Erinnerungsort Topf & Söhne sind Eintritt und pädagogische Betreuung kostenfrei. Für die anderen Programmpunkte fallen mitunter Kosten an.

Eine Anmeldung für Gruppen ist unbedingt erforderlich. Üblicherweise beträgt die Mindestgröße für eine betreute Gruppe 7 Personen und Gruppen ab 27 Personen werden geteilt.

Um die angebotenen Programme auf den Kenntnisstand der Teilnehmenden, das Alter und die Gruppengröße abzustimmen, möchten wir Sie bitten, die detaillierte inhaltliche Programmgestaltung telefonisch mit unserem Bildungsteam abzusprechen. Interessierte Lehrkräfte erhalten auf Anfrage Hinweise, wie das Seminar in den (fächerübergreifenden) Unterricht eingebunden werden kann.