1 00:00:00,001 --> 00:00:02,070 Éva Fahidi-Pusztai: "Dass der Holocaust 2 00:00:02,070 --> 00:00:07,786 mein Leben geworden ist, dass es mein Lebensziel wurde, 3 00:00:07,786 --> 00:00:13,412 sozusagen mein Beruf wurde, über den Holocaust zu sprechen 4 00:00:13,412 --> 00:00:18,106 - über diesen schrecklichen ungarischen Holocaust, der so kurz war - 5 00:00:18,452 --> 00:00:23,756 also seitdem kann ich das eindeutig beantworten." 6 00:00:24,928 --> 00:00:26,284 Dies sagt Eva, 7 00:00:26,284 --> 00:00:30,138 wenn man ihr die Frage stellt, was der Holocaust für sie bedeutet. 8 00:00:30,161 --> 00:00:32,605 Sie kann über ihr früheres Leben sprechen, 9 00:00:32,605 --> 00:00:34,751 als wäre es das Leben eines anderen. 10 00:00:35,634 --> 00:00:38,664 Oskar Gröning, ein ehemaliger SS-Mann, 11 00:00:38,664 --> 00:00:43,414 der an der Rampe in Auschwitz arbeitete und den Häftlingen ihre Wertsachen abnahm 12 00:00:43,440 --> 00:00:46,139 und dies protokollierte, wurde dieses Jahr 13 00:00:46,139 --> 00:00:50,070 zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt. Er sagt: 14 00:00:51,226 --> 00:00:52,810 "Für mich steht außer Frage, 15 00:00:52,810 --> 00:00:55,554 dass ich mich moralisch mitschuldig gemacht habe. 16 00:00:55,916 --> 00:00:57,107 Ich bitte um Vergebung. 17 00:00:57,940 --> 00:01:01,185 Über die Frage der strafrechtlichen Schuld müssen Sie entscheiden." 18 00:01:01,591 --> 00:01:05,399 Zur Podiumsdiskussion am 6. November 2015 19 00:01:05,425 --> 00:01:06,678 sagte Eva dazu: 20 00:01:07,784 --> 00:01:11,933 Éva Fahidi-Pusztai: „Habe ich doch noch immer die Überzeugung, 21 00:01:11,959 --> 00:01:19,140 dass er es wesentlich nicht begriffen hat, was dort mit uns geschehen ist.“ 22 00:01:20,702 --> 00:01:22,207 Ehemaligen Tätern scheint es 23 00:01:22,233 --> 00:01:25,732 ebenso wie Menschen, die nicht dabei waren, sehr schwer zu begreifen, 24 00:01:25,758 --> 00:01:27,121 was damals passiert ist. 25 00:01:27,921 --> 00:01:31,543 Éva hat es geschafft ihre schwierige Vergangenheit zu verarbeiten. 26 00:01:31,543 --> 00:01:36,309 Dadurch, dass sie überlebt hat, weiß sie genau, was der Holocaust für sie bedeutet. 27 00:01:36,870 --> 00:01:41,063 Für uns ist diese Frage sehr viel schwieriger, denn wir waren nicht dabei. 28 00:01:41,063 --> 00:01:45,237 Wir können nur versuchen, ihre Gefühle und ihren Schmerz nachzuvollziehen. 29 00:01:45,278 --> 00:01:47,268 Aber wir können es nicht vollständig erreichen. 30 00:01:49,077 --> 00:01:52,801 Und deshalb ist es umso wichtiger, dass es Menschen wie Éva Pusztai gibt. 31 00:01:52,801 --> 00:01:56,711 Zeitzeugen, die aus ihrer schrecklichen Vergangenheit kein Selbstmitleid ziehen, 32 00:01:56,711 --> 00:01:59,540 sondern den Wunsch jüngere Menschen zu warnen, 33 00:01:59,540 --> 00:02:03,665 damit etwas wie der Holocaust nicht noch einmal passiert. 34 00:02:04,431 --> 00:02:06,610 Dadurch, dass wir noch sehr jung sind, 35 00:02:06,610 --> 00:02:08,851 haben wir kaum noch direkte Anschlusspunkte. 36 00:02:09,614 --> 00:02:13,314 Trotzdem ist uns die Auseinandersetzung mit dem Holocaust sehr wichtig. 37 00:02:14,096 --> 00:02:18,196 Dahingehend, dass wir ihn aufarbeiten und die Fehler unserer Vorfahren 38 00:02:18,196 --> 00:02:21,243 nicht nur anklagen, sondern uns auch dafür einsetzen, 39 00:02:21,243 --> 00:02:24,711 dass sich wirklich etwas für die Gegenwart und für die Zukunft ändert.