Andreas Bausewein: Ansprache zur Preisverleihung des Museumspreises 2014

02.12.2014 11:00

"Mein Dank geht in erster Linie an Frau Schüle und ihr Team. Ohne ihre Forschungen, ohne ihr Engagement und ohne ihre Aufbauarbeit würde es den Erinnerungsort in der jetzigen Qualität nicht geben."

Andreas Bausewein, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt

Mann am Rednerpult vor Publikum
Foto: Andreas Bausewein, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Sehr geehrter Herr Minister Matschie,
Sehr geehrter Herr Dorst,
Sehr geehrter Herr Dr. Wurzel,
Sehr geehrter Herr Dr. Rodekamp,

Sehr geehrte Stadträte und Landtagsabgeordnete,
Liebe Vertreter der Jüdischen Landesgemeinde,
Sehr geehrte Damen und Herren,

Es ist ein freudiger Anlass an einem schwierigen Ort, der uns hier kurz vor Jahresende zusammenführt. Als Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Erfurt bin ich stolz darauf, dass nun schon das zweite Museum in Erfurt den bedeutenden Museumspreis der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen erhält, der erst vor 12 Jahren ins Leben gerufen wurde und nur alle zwei Jahre vergeben wird. 2004 hat unser Naturkundemuseum diesen Preis erhalten und nun, zehn Jahre später, erhält ihn der "Erinnerungsort Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz".

Ein historischer Lern- und Ausstellungsort, der in seiner Geschichte gewöhnliche betriebliche Abläufe und das Menschheitsverbrechen in Auschwitz verbindet, steht vor besonderen Herausforderungen: Wie den Zusammenhang zwischen Banalität im Firmenalltag und der Monstrosität in den "Todesfabriken" von Auschwitz-Birkenau angemessen ausstellen und didaktisch vermitteln? Wie die Betriebsdokumente zeigen und entschlüsseln, die die Vernichtung von Menschen aus rein kaufmännischer oder technischer Sicht betrachten, und gleichzeitig die Würde und das Gedenken an die Opfer wahren? Dass es den Müttern und Vätern des Erinnerungsortes gelungen ist, gute Antworten auf diese Fragen zu finden, zeigt der Preis, der heute hier vergeben wird. Mein Dank geht in erster Linie an Frau Schüle und ihr Team. Ohne ihre Forschungen, ohne ihr Engagement und ohne ihre Aufbauarbeit würde es den Erinnerungsort in der jetzigen Qualität nicht geben.

Mein Dank geht aber auch an die Bürger der Stadt und die Stadträte, die sich vor ungefähr zehn Jahren zu diesem Ort bekannt haben. Ich muss noch einmal ganz deutlich sagen, es ist auch für eine Stadt nicht einfach, sich zu so etwas zu bekennen. Jeder wirbt am liebsten für sich mit positiven Dingen, mit schönen Dingen. Deswegen war es ein langer Prozess, bis man sich in Erfurt dazu durchgerungen hat, auch diesen furchtbaren Teil der Erfurter Geschichte nicht nur zu benennen, sondern diesen Erinnerungsort hier aufzubauen und auch zu finanzieren. Auch das war letztendlich eine aus meiner Sicht ganz wichtige Entscheidung, die vor ungefähr einem Jahrzehnt im großen kommunalpolitischen Konsens im Erfurter Stadtrat fiel. Mein Dank geht heute auch an die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora. Sie hat die Wanderausstellung erarbeitet, die nach ihrer Präsentation in Deutschland und Europa in einer von der Stadt erweiterten Form zur Dauerausstellung im Erinnerungsort wurde.

Als Stadt Erfurt hüten wir ein reiches jüdisches Erbe, das bis tief in das Mittelalter zurückreicht. Auch sind wir Heimat des einzigen Synagogen-Neubaus in der DDR und heute glücklicherweise wieder Heimat einer lebendigen Jüdischen Gemeinde. Kaum eine andere Stadt verfügt über eine solche Dichte historischer Orte jüdischen Lebens und ihrer Verfolgung und Zerstörung.

Wenn wir diesen Spannungsbogen zwischen Blüte und Integration einerseits und Ausgrenzung und Vernichtung andererseits erfahrbar machen, fördern wir unsere eigene Achtsamkeit wie auch die unserer zahlreichen Gäste für jede Form der Menschenverachtung und -vernichtung. Hier kommt dem Erinnerungsort Topf & Söhne eine wichtige Rolle zu. Wir freuen uns sehr, dass die Jury insbesondere die museumspädagogische Konzeption des Erinnerungsortes für auszeichnungswürdig hält. Die Jugend ist unsere Zukunft. Sie an diesem Ort für heutige Bedrohungen der Menschenrechte und der Menschenwürde zu sensibilisieren und zur Übernahme der eigenen Verantwortung zu ermutigen, ist eine notwendige und schöne Aufgabe, zu der wir als Stadt sehr gerne stehen.

In diesem Sinne nochmals herzlichen Dank an die Vertreter der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und Ihnen allen einen angenehmen Abend.

Bleiben Sie uns und diesem Haus gewogen.