Andrzej Kacorzyk: Ansprache zur Eröffnung der Ausstellung "Industrie und Holocaust" in der Gedenkstätte Auschwitz

22.03.2017 13:00

"Möge uns diese Frage auf dem Weg durch diese Ausstellung begleiten, die Fragen nach der Verantwortung, nach der Vorstellungskraft, nach dem Bewusstsein, mit dem diese Öfen konzipiert wurden und in Gedenken an ihre Opfer."

Andrzej Kacorzyk, Vizedirektor des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau

Mann spricht ins Mikrofon
Foto: Andrzej Kacorzyk, Vizedirektor des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau Foto: © Stadtverwaltung Erfurt, Staatskanzlei Thüringen

Ich darf als allererstes ganz herzlich begrüßen
Herr Bodo Ramelow, den Ministerpräsidenten von Thüringen,
den Generalkonsul Michael Groß,
Herr Dr. Tobias Knoblich, den Kulturdirektor Landeshauptstadt Thüringen Stadtverwaltung Erfurt,
Frau Dr. Annegret Schüle, die Kuratorin des Erinnerungsortes Topf & Söhne,
Prof. Reinhard Schramm, den Vorsitzenden der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen,
Herr Dr. Stefan Hördler, der heute die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora vertritt und auch all seine Mitarbeiter.

Ich darf auch ganz herzlich begrüßen alle übrigen Gäste aus Deutschland, aus Erfurt, aus den anderen deutschen Städten aber auch die Jugendlichen, die jetzt aktiv an dem VW Praktikum hier teilnehmen.

Hier an diesem Ort wurde das erste stationäre Krematorium im Stammlager Auschwitz errichtet. Parallel zum Ausbau des Lagers wurden auch diese einzelnen Anlagen ausgebaut. Diese Erweiterungsarbeiten liefen parallel zur Erweiterung des Lagers, weil sich herausgestellt hatte, dass der einzige Leichenverbrennungsofen einfach nicht ausreichte für die große Zahl von ankommenden Häftlingen wie zum Beispiel der Transport von 10.000 russischen Kriegsgefangenen. Das war auch die Zeit, in der sich der Ingenieur Kurt Prüfer bereiterklärte, eine revolutionäre Lösung dieses Problems vorzuschlagen. Diese war ein Konzept eines Leichenverbrennungsofens mit einer Kapazität von 1.440 Leichen pro Tag. Als Anfang August des Jahres 1942 angefordert wurde, einen Vorschlag zu unterbreiten, wie die Kapazität der Öfen sprunghaft erhöht werden kann, da hatte damals der Ingenieur Kurt Prüfer sein bestes getan, um den Erwartungen seiner Auftraggeber, nämlich der SS aus dem KZ Auschwitz, gerecht zu werden und die entsprechende Lösung zu liefern. 

Weder er selbst, noch seine Vorgesetzten stellten sich die Frage und schienen auch keine moralischen Bedenken darüber gehabt zu haben, wozu eigentlich so ein Auftrag eingeht, welchem Ziel dieser Auftrag dient und warum so große Leichenmengen pro Tag verbrannt werden können müssen. Insgesamt ging es um die Kapazität von 5.000 Leichen pro Tag, die die von der Firma konzipierten Öfen leisteten. Es stellt sich die Frage nach der Verantwortung, nach der Mitverantwortung dieses Unternehmens für dieses grauenhafte Vorhaben.

Möge uns diese Frage auf dem Weg durch diese Ausstellung begleiten, die Fragen nach der Verantwortung, nach der Vorstellungskraft, nach dem Bewusstsein, mit dem diese Öfen konzipiert wurden und in Gedenken an ihre Opfer. Dankeschön.

Sehr geehrte Damen und Herren, ich möchte mich ganz herzlich bedanken, für die Vorbereitung dieser Ausstellung bei meinen Partnern und Partnerinnen aus Erfurt, ich bedanke mich bei meinen Kollegen und Kolleginnen von der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau und auch bei all denen hier heute Anwesenden dafür, dass Sie hier her gekommen sind und lade Sie herzlich ein zu einem Rundgang durch die Ausstellung.