Benedikt und Severin: Bericht "Freiwillig für ein Jahr an einem Täterort?"

26.10.2016 12:00

Unsere Freiwilligen berichten 2015/2016: Benedikt und Severin hinterfragten zu Beginn ihres Freiwilligenjahres, warum sie dieses an einem Täterort absolvieren, welche Erfahrungen sie bisher sammelten und wie sie sich ihr Jahr im Erinnerungsort vorstellen.

Freiwillig für ein Jahr an einem Täterort?

Drei Personen mit Kamera und Aufnahmegerät interviewen älteren Mann im Anzug
Foto: Benedikt (links) und Severin (rechts) Foto: © Stadtverwaltung Erfurt/Dirk Urban

Freiwillig für ein Jahr an einem Ort arbeiten, an dem eine industrielle Vernichtung von Menschen durch Thüringer Bürger geduldet und ermöglicht wurde? Mit dieser Frage haben wir uns auseinandergesetzt, als wir uns eine Einsatzstelle für unser FSJ gesucht haben. Nun sind wir, Severin Schwalb (18) aus Bonn und Benedikt Dahlmann (19) aus Wuppertal, Teil des Teams im Erinnerungsort Topf & Söhne. Diese Frage mit "Ja" zu beantworten, ist uns also gar nicht so schwer gefallen. Der Erinnerungsort ist durch seine Auseinandersetzung mit den Tätern des Holocausts ein einzigartiges Geschichtsmuseum in Deutschland. An der Auseinandersetzung mit diesem Thema wollen wir teilnehmen. Wir wollen dabei helfen, Menschen auf die Vergangenheit aufmerksam zu machen und einen Raum für Dialoge zu schaffen, in dem auch Parallelen zu unserer heutigen Gesellschaft gezogen werden.

Seit dem 1. September 2015 arbeiten wir im Erinnerungsort. Bis hierhin haben sich unsere Erwartungen vollends erfüllt, sie wurden sogar übertroffen. Schnell haben uns die Mitarbeiterinnen in das Team integriert und uns wurde Verantwortung übertragen. Nachdem wir viel hospitiert haben, steht nun unsere erste eigene Führung an. Auch bei Veranstaltungen im Erinnerungsort übernehmen wir einen Teil der Durchführung. Das Schönste ist aber der direkte Kontakt mit Besuchern. Besonders bei einem Fußballprojekt mit Kindern und Jugendlichen aus Erfurt haben wir viele neue Eindrücke gesammelt und konnten bei den meisten Teilnehmern eine Entwicklung während des Projektes beobachten.

Bis zum Ende des Jahres wird sich unser Aufgabenfeld noch einige Male verschieben. Wenn zum Beispiel ein Ausstellungswechsel stattfindet oder Exkursionen unternommen werden, wird unsere Arbeit eine andere sein, als die, die wir zurzeit machen. Genau darin liegt ebenfalls ein Reiz. Auch wenn sich bestimmte Aufgaben das Jahr über durchziehen, ist kein Arbeitstag genauso wie der andere. Darauf freuen wir uns und hoffen, dass uns die kommenden Monate genauso bereichern wie die ersten Wochen.

Benedikt  und Severin