Veranstaltungsbericht zur Eröffnung der Wanderausstellung "Un-er-setz-bar" bei den Achava-Festspielen

01.09.2016 20:00

Der Auftakt der fast zweiwöchigen Veranstaltungsreihe war verknüpft mit der Eröffnung der Wanderausstellung "Un-er-setz-bar. Begegnung mit Überlebenden".

Farbfoto, hoher Raum mit Menschen und verschiedenen weißen bedruckten Bannern
Foto: Eröffnung der Ausstellung "Un-er-setz-bar" im alten Erfurter Heizwerk Foto: © Stadtverwaltung Erfurt, Achava-Festspiele/Stefan Kranz

"Ich freue mich über die Kooperation zwischen den Achava-Festspielen und dem Erinnerungsort Topf & Söhne!" Mit diesen Worten wandte sich Martin Kranz, Intendant der interreligiösen Festspiele, an das Publikum, das am Donnerstag, 1. September 2016, zahlreich zur Eröffnung von Achava ins Erfurter Heizwerk gekommen war. Der Auftakt der fast zweiwöchigen Veranstaltungsreihe war verknüpft mit der Eröffnung der Wanderausstellung  "Un-er-setz-bar. Begegnung mit Überlebenden". Diese Exposition konzipiert und umgesetzt haben Dr. Annegret Schüle, Kuratorin des Erinnerungsortes, und Sophie Eckenstaler. Erstmals gezeigt wurde die Ausstellung 2012; sie beeindruckte bereits damals die Besucher mit berührenden Zeugnissen von Überlebenden wie Éva Pusztai und Esther Bejarano. Zur erneuten Präsentation, diesmal im Rahmen der Achava-Festspiele, haben Dr. Annegret Schüle und Sophie Eckenstaler zwei weitere Portraits hinzugefügt: "Un-er-setz-bar" beinhaltet jetzt auch Zeugnisse von Wolfgang Nossen, langjähriger Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, und von Michaela Vidláková, die als Jüdin in Prag aufwuchs und das KZ Theresienstadt überlebte. Anlässlich der Eröffnungsfeier im Heizwerk freute sich Dr. Schüle, Wolfgang Nossen persönlich unter den Ehrengästen begrüßen zu dürfen. Sie betonte in Dankbarkeit, die Ausstellung sei nur möglich durch das "Geschenk", welches die Überlebenden dem Erinnerungsort und allen Besuchern gemacht hätten, indem sie trotz ihrer schrecklichen Erlebnisse bereit waren, ihre Geschichten, ihre Erinnerungen, ihre Erfahrungen weiterzugeben und für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

"Es ist von großer Bedeutung, die Zeitzeugen anzuhören und von ihren Erfahrungen zu lernen", sagte der israelische Botschafter in Deutschland, Yakov Hadas-Handelsman, der direkt im Anschluss an Martin Kranz zu den Besuchern sprach und im Rahmen seiner Rede auch Bezug auf die Ausstellung nahm. Der Botschafter verwies auf die Zunahme von Fremdenfeindlichkeit und Rassismus in unserer Gesellschaft und betonte, niemand solle glauben, Demokratie und Humanität seien außer Gefahr. Als wichtigen Bestandteil der Erfurter und Thüringer Erinnerungskultur würdigte Ministerpräsident Bodo Ramelow in seiner Eröffnungsrede die Arbeit des Erinnerungsortes. Die einstige Fertigungsstätte des Unternehmens Topf & Söhne verweise direkt auf die Menschheitsverbrechen in Auschwitz, führte der Regierungschef aus. Ausstellungen wie "Un-er-setz-bar" seien ein wichtiger Beitrag dazu, die Erinnerung an das Geschehene wachzuhalten. "Nie wieder!" – so laute der Auftrag der Zivilgesellschaft, die beherzt für Humanität und Geschwisterlichkeit eintreten müsse. Achava, was auf deutsch Brüderlichkeit/Geschwisterlichkeit heißt, ermögliche den interreligiösen, interkulturellen Dialog genau in diesem Sinne, betonten Bodo Ramelow und Sozialministerin Heike Werner, deren Ressort mit finanzieller Unterstützung die Präsentation erst möglich gemacht hatte. Laut Ministerin Werner helfen eindrückliche Expositionen wie "Un-er-setz-bar", Erinnerungen und Erfahrungen erlebbar zu machen, durch die authentischen Zeugnisse erhält Erinnerung einen konkreten persönlichen Bezug.

Seine Freude, dass zur Eröffnung von Achava auch die Ausstellung des Erinnerungsortes erneut für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde, brachte Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein zum Ausdruck. Das Stadtoberhaupt erinnerte an manche Widerstände, welche die Etablierung des Erinnerungsortes in früheren Jahren hervorgerufen hatte und würdigte die Gedenkstätte als wichtigen Bezugspunkt zu einem Teil der Erfurter Geschichte, der nicht in Vergessenheit geraten dürfe. Ein verstärktes Eintreten für die Solidarität mit den Sinti und Roma thematisierte Prof. Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde, in seiner Eröffnungsrede. Prof. Schramm erinnerte daran, dass Sinti und Roma unter der nationalsozialistischen Herrschaft ebenso wie die Juden zum Opfer gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geworden seien.

Seine Fortsetzung fand der Eröffnungsabend im Erfurter Heizwerk durch das Konzert der israelischen Sängerin Yasmin Levy. Basierend auf dem reichen Erbe der sephardischen, jüdisch-spanischen Kultur und inspiriert durch viele weitere künstlerische Impulse aus arabischen, griechischen, hebräischen und slawischen Kulturkreisen verzauberte die mehrfach preisgekrönte Künstlerin gemeinsam mit ihren kongenialen Bandmusikern das Publikum mit einem vielseitigen, emotional bewegenden Repertoire.

Dank unseres Förderkreismitglieds Holger Wiemers können wir unseren Besucherinnen und Besuchern regelmäßig von den anregenden Diskussionen, Gesprächen und Begegnungen im Erinnerungsort berichten.