"Industrie und Holocaust": Ausstellung des Erinnerungsortes Topf & Söhne im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau eröffnet

22.03.2017 14:00

134 Gäste, darunter ein große Bürgerdelegation aus Erfurt, nahmen an der Eröffnung teil.

Großes schwarzes Tor mit Inschrift "Arbeit macht frei"
Foto: Eingangstor des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Eine große Erfurter Bürgerdelegation, darunter der Vorsitzende der Jüdischen Landesgemeinde Prof. Reinhard Schramm und der Vorsitzende des Förderkreises Erinnerungsort Topf & Söhne Rüdiger Bender, nahmen am 22. März im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau in Oświęcim an der Eröffnung der Internationalen Wanderausstellung "Industrie und Holocaust: Topf & Söhne – Die Ofenbauer" von Auschwitz teil, die im Erinnerungsort unter Leitung von Dr. Annegret Schüle erarbeitet wurde. Während der Vizedirektor der Gedenkstätte Andrzej Kacorzyk in seiner Rede die Mitverantwortung der Erfurter Firma für das Grauen in Auschwitz hervorhob, unterstrich der Bürgermeister von Oświęcim Janusz Chwierut, dass heute aus der Geschichte Lehren gezogen werden müssen.

Ministerpräsident Bodo Ramelow war es ein besonderes Anliegen, diese Ausstellung persönlich zu eröffnen. Dass Erfurt und seine Bürger mit dem Erinnerungsort Topf & Söhne die Verantwortung für ihre untrennbar mit Auschwitz verbundene Geschichte übernehmen, betonte auch Kulturdirektor Dr. Tobias J. Knoblich, der in Vertretung von Oberbürgermeister Andreas Bausewein das Wort ergriff. Unter den 134 Eröffnungsgästen waren der Auschwitz-Überlebende Marian Majerowicz, polnische Lehrer und Schüler und zahlreiche polnische und deutsche Besucher, darunter Auszubildende der Volkswagen AG.

Dass es sich bei Topf & Söhne um eine "ganz normale" deutsche Firma handelte, die zu den SS-Aufträgen nicht gezwungen wurde und sie auch nicht zum ökonomischen Überleben benötigte, war für die zahlreich vertretenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau, die Rebekka Schubert in die Ausstellung einführte, eine neue, interessante Perspektive auf die Geschichte ihres Ortes. Die Ausstellung ist in der ehemaligen Wäschereibaracke des Stammlagers bis zum 31. Oktober 2017 zu sehen.

Sie lädt die Besucher auch zur Teilnahme am Webdialog "Verbrechen und Verantwortung. Erinnern für das 21. Jahrhundert" ein, der von Projektmanagerin Sophie Eckenstaler betreut wird. Daran werden sich auch deutsche, polnische und ukrainische Jugendliche beteiligen, die sich in Oświęcim auf Einladung des Erinnerungsortes Topf & Söhne und der Internationalen Jugendbegegnungsstätte treffen.

Medienecho

... Seit sechs Jahren erforscht und dokumentiert der Erinnerungsort Topf & Söhne diese Geschäftspartnerschaft des Mordens. Aber es ist noch etwas anderes, an diesem Ort zu stehen. Und es ist noch etwas anderes, dies an diesem Ort dokumentiert zu sehen.

Hier ist nichts mehr abstrakt, Auschwitz nicht 700 km entfernt. Dies hier ist der Ort der Schuld. Was hier geschah, haben die Ofenbauer in Erfurt nicht nur gewusst, ihre Ingenieure haben es gesehen.

Es gibt keinen wichtigeren Ort für das Holocaust-Gedenken auf der Welt, als Auschwitz. Und keine größere Bestätigung der wichtigen Arbeit der Erinnerungsstätte um ihre Leiterin Annegret Schüle, als den Umstand, dass ihre Wanderausstellung an diesem Ort zu sehen ist. Nicht zuletzt, auch daran muss erinnert werden, weil es eine Zeit gab, in der um die Existenz der Gedenkstätte in der Stadt gerungen werden musste.

Eine Ausstellung, die auch davon erzählt, wie das Massenmorden in den Konzentrationslagern von einer breiten Schicht der deutschen Gesellschaft nicht nur getragen, sondern erst möglich gemacht wurde. [...] Und sie erzählt davon, wie die Stadt heute dieses dunkle Erbe reflektiert.

Man könnte auch sagen, diese Ausstellung an diesem Ort ist eine notwendige und überfällige Bringepflicht der Stadt Erfurt.

Elena Rauch, Thüringer Allgemeine, 28. März 2017