Un-er-setz-bar. Begegnung mit Überlebenden

01.06.2012 17:00 – 27.01.2013 18:00

Eine Ausstellung über das Zeugnis der letzten Überlebenden der nationalsozialistischen Vernichtung

Blick in den Raum mit Tafeln. Besucher benutzen Multimediageräte
Blick in die Ausstellung "Un-er-setz-bar. Begegnung mit Überlebenden" Foto: © Stadtverwaltung Erfurt
27.01.2013 18:00

Un-er-setz-bar. Begegnung mit Überlebenden

Genre Ausstellung
Veranstalter Erinnerungsort Topf & Söhne
Veranstaltungsort Erinnerungsort Topf & Söhne, Sorbenweg 7, 99099 Erfurt

Erste eigene Sonderausstellung im Erinnerungsort Topf & Söhne

Die Ausstellung ist fünf Überlebenden der nationalsozialistischen Vernichtung und ihren Familien gewidmet: Esther Bejarano, Éva Pusztai, Günter Pappenheim, Waltraud Reinhardt und Reinhard Schramm. Eine deutsche und eine ungarische Jüdin, die Auschwitz überlebten. Der Sohn eines ermordeten Sozialisten und selbst im KZ Buchenwald inhaftiert. Eine Sintiza, die ihre Eltern verlor und zum ersten Mal ihre Geschichte erzählt. Ein deutscher Jude, der als Kleinkind im Versteck überlebte. Ihr Leben bezeugt verschiedene Dimensionen der nationalsozialistischen Verfolgung, des Widerstands und der Rettung. Eigens für die Ausstellung geführte Filminterviews, Dokumente, Fotos und Gegenstände aus persönlichem Besitz berichten von Kindheit, Deportation, Lagererfahrungen und dem Schicksal der Familien. Das Zeugnis der Überlebenden birgt eine große Chance. In der Ausstellung formulieren sie ihr Vermächtnis an die nachfolgenden Generationen. Ihre Botschaft - die Grundsolidarität des Menschen mit dem Menschen - ist die Substanz einer weltoffenen, menschlichen Zukunft. 

Die Geschichte der Erfurter Firma J. A. Topf & Söhne konfrontiert Überlebende und Nachkommen von Opfern des Nationalsozialismus mit einem besonders grausamen Aspekt des Schicksals ihrer ermordeten Verwandten, mit der technischen und wirtschaftlichen Seite der Vernichtung und der Leichenbeseitigung. Umso wertvoller ist, dass Überlebende und Familienangehörige diesen Ort unterstützen, gerade sie seine unbedingte Notwendigkeit betonen und ihm ihre Geschichte und ihre Zeugnisse anvertrauen. Daraus erwächst die Verantwortung, den Überlebenden Gehör zu verschaffen, ihre berührenden und verstörenden Erfahrungen mit der Öffentlichkeit zu teilen und Begegnungen zwischen diesen letzten Zeitzeugen und den Nachgeborenen zu ermöglichen. 

Die Ausstellung besteht aus fünf Elementen, die dem Besucher einen informellen, visuellen, ästhetischen und emotionalen Zugang ermöglichen. 

Jeder und jedem der fünf Überlebenden sind zwei raumhohe, frei herabhängende Banner gewidmet. Ein Banner informiert über ihr Leben, das andere Banner trägt den Kern ihrer Botschaft. 

Angeordnet in der Blickachse zu diesen biographischen Bannern können in fünf Medienstationen die lebensgeschichtliche Filminterviews mit den Überlebenden in sieben Kapiteln abgerufen werden. Eine 6. Medienstation zeigt in ästhetischen Bildern die Foto-Audio-Dokumentation des Schüler-Radioprojektes zum 27. Januar 2012. 

In drei Glasvitrinen werden persönliche Gegenstände der Überlebenden und ihrer ermordeten Verwandten sowie Fotos und Dokumente gezeigt. Sie veranschaulichen zum einen den unermesslichen Verlust und sie belegen zum anderen die bürokratische Tätersprache der Ausgrenzung, Entrechtung, Beraubung und Vernichtung. Die Originale sind für die Überlebenden von unschätzbarem Wert.

Ein Lesetisch ermöglicht die Lektüre in veröffentlichten Erinnerungen und Darstellungen der Überlebenden.Die Begleitmaterialen umfassen die DVD "Lebendige Erinnerung. Das Vermächtnis der Überlebenden" mit der Dokumentation des Schüler-Radioprojektes und Ausschnitten aus den Filminterviews mit den Überlebenden, die CD "Komponisten im Holocaust. Konzert wider das Vergessen" mit dem Musica rara Ensemble und ein Booklet mit Texten und Bildern der Ausstellung. 

Das umfangreiche Begleitprogramm reicht bis zum 27. Januar 2013, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Gemeinsam mit vielen Partnern organisiert der Erinnerungsort Podiumsdiskussionen und Vorträge mit namhaften Referenten, persönliche Begegnungen mit den Überlebenden, Werkstattgespräche zur Erinnerungskultur und Konzerte. 

Die Ausstellung wurde ermöglicht durch die Förderung des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, die Friedrich-Ebert-Stiftung und die Konrad-Adenauer-Stiftung. Der Förderkreis Erinnerungsort Topf & Söhne e.V. finanzierte die Glasvitrinen.

Veröffentlichungen

Blick in die Ausstellung

Reden zur Ausstellungseröffnung