Tagesprojekt: Von Opfern, Mitläufern, Mitwissern und Mittätern im nationalsozialistischen Erfurt

Dauer: 5 Stunden, in Kooperation mit dem "Netzwerk Jüdisches Leben Erfurt"

Schwarz-Weiß-Fotografie, eine ältere Frau und zwei Mädchen sitzend
Foto: Else Cars und ihre Töchter Ruth und Hanne-Lore, undatierte Aufnahme Foto: © Stadtverwaltung Erfurt

Informationen

Spurensuche in den Ausstellungen "Der Gelbe Stern" und "Techniker der 'Endlösung'"

Die Erfurter Familien Cars und Cohn ähnelten sich in ihrer Konstellation. Die Familienväter, Max Cars und Max Cohn, waren Juden, ihre Frauen gehörten nicht zur jüdischen Religionsgemeinschaft. Die Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler im Januar 1933 veränderte das Leben beider Familien dramatisch. Alle Familienmitglieder mussten die antijüdisch-rassistischen Schikanen erdulden, die zur Staatsdoktrin geworden waren. Für eine gewisse Zeit waren sie durch die nichtjüdische Ehefrau bzw. Mutter vor dem Schlimmsten geschützt.

Trotz ähnlicher Rahmenbedingungen verlief das Schicksal der beiden Familien sehr unterschiedlich: Während die Familie Cars überlebte, wurden Max, Helmut und Rosemarie Cohn durch die Nationalsozialisten ermordet. Die Ausstellung "Der Gelbe Stern. Die Erfurter Familien Cars und Cohn" in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge Erfurt zeigt, dass sie von Nachbarn und Arbeitskollegen ohne Not denunziert worden sind, und thematisiert damit, wie Einzelne ihre Handlungsspielräume gegen und nicht für andere Menschen nutzten.

Der "Erinnerungsort Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz" verdeutlicht am Beispiel der Unternehmer und Techniker, wie Einzelne die unmenschlichen Folgen ihres individuellen Handelns ausblenden. Entsprechend zielt das pädagogische Programm auf die Verantwortung von Mittätern, Mitwissern und Mitläufern ab und stellt damit die Frage, wie das nationalsozialistische Verbrechensregime auch durch das alltägliche Handeln einzelner oder Gruppen von Menschen ermöglicht wurde, die nicht unmittelbar zum Terror- und Verfolgungsapparat wie SS, SA, Gestapo etc. gehörten.

Module und Inhalt

Modul 1:
Antijüdische Gesetzgebung in ihrer Auswirkung auf die Lebenswelt jüdischer Jugendlicher (30 Minuten) Einstieg

Modul 2:
Der Gelbe Stern. Die Erfurter Familien Cars und Cohn (30 Minuten)
Kurzführung durch die Ausstellung in der Begegnungsstätte Kleine Synagoge Erfurt

Modul 3:
Techniker der "Endlösung" (90 Minuten)
Führung und Selbsterkundung in der Ausstellung im Erinnerungsort Topf & Söhne

Modul 4:
Mittäter – Mitwisser Mitläufer? (30 Minuten)
Diskussion
Handlungsspielräume im Nationalsozialismus

Organisatorisches

Das pädagogische Programm kann als Projekttag von zweimal 1,5 Stunden gebucht werden (mit Transfer zwischen der Begegnungsstätte Kleine Synagoge und dem Erinnerungsort sowie einer Pause). Die Module können aber auch an zwei getrennten Tagen stattfinden.

Das Angebot ist kostenfrei. Möchten Sie die Arbeit des Erinnerungsortes unterstützen, bitten wir um eine Spende.

Anmeldung von Gruppen

Um die angebotenen Programme auf den Kenntnisstand der Teilnehmer/-innen, das Alter und die Gruppengröße abzustimmen, möchten wir Sie bitten, die detaillierte inhaltliche Programmgestaltung telefonisch mit unseren Mitarbeiterinnen abzusprechen.